Erschienen in Ausgabe 12-2016Köpfe & Positionen

Solidarität gegen Schummelfonds.

Zu Titelreport: „Gesundheitssystem vor dem Härtetest“, .

Von Dr. Walter BotermannVersicherungswirtschaft

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Alle vier Jahre schlägt die Stunde der Kritiker des dualen Gesundheitssystems. Mit Studien versuchen sie vor anstehenden Bundestagswahlen zu belegen, wie schlecht es angeblich um das Gesundheitssystem und die medizinische Versorgung in Deutschland bestellt ist. Gerne werden dazu Patienten vorgeführt, die sich über lange Wartezeiten beim Facharzt beklagen. Hier stellt sich die Frage, warum die GKV mit 90 Prozent Marktanteil keine Verkürzung durchsetzen kann.
Es gibt in der Tat Verbesserungsmöglichkeiten im deutschen Gesundheitswesen. In der Dualität sind diese jedoch nicht zu suchen – ganz im Gegenteil. Schauen wir doch in die Länder, denen nach langen kontroversen Debatten Einheitsversicherungssysteme aufgezwungen worden sind. Bekanntestes Beispiel ist der National Health Service in Großbritannien, aber auch in Spanien und den Niederlanden wurde die Absicherung der Gesundheitskosten vereinheitlicht. Es haben sich dort trotzdem zwei Gesundheitswesen entwickelt. Im Gegensatz zum deutschen System ist dort für weniger vermögende Bürger der Zugang zur medizinischen Versorgung stark eingeschränkt.
So weichen Patienten in Großbritannien in private Kliniken aus. Oder suchen im niederländischen Grenzgebiet deutsche Ärzte auf. Das deutsche Gesundheitswesen zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass es allen Bürgern einen hohen medizinischen Standard bietet, egal welchem Finanzierungssystem sie zugehörig sind. Denn Innovationen, die Ärzte zugegebenermaßen oft zunächst für ihre Privatpatienten einführen, werden umgehend allen Patienten angeboten. Solidarischer kann ein System nicht sein. Falls die GKV die Bezahlung solcher Innovationen einschränkt, würden sicherlich alle freiwillig Versicherten zur PKV wechseln. Mit einem gesetzlichen Einheitssystem ist eine Verschlechterung für alle absehbar.
Doch schlimmer als all dies wiegen die Enthüllungen der letzten Monate um das so genannte Upcoding. Dabei werden Patienten von ihren Ärzten kränker gemacht, was für die Krankenkassen eine höhere Ausschüttung aus dem Gesundheitsfonds bedeutet. In unvorstellbarer Weise und vor aller Augen wurde hier ein staatliches Finanzinstrument umgewandelt, zu einem Schummelfonds, aus dem sich einige gesetzliche Kassen kräftig bedient haben. Bezahlt wird dies von den Mitgliedern aller Kassen und von den Arbeitgebern. Niemand sollte ernsthaft glauben, dass es mit solchen Vorgängen vorbei wäre, wenn das Gesundheitswesen in ein staatliches Einheitssystem überführt würde.
Bei der privaten…