Erschienen in Ausgabe 12-2016Unternehmen & Management

Kennen, können, verstehen

Didaktische und interdisziplinäre Schlüsselaufgaben unter Solvency II

Von Prof. Dr. Mirko Kraft und Andrea ImhofVersicherungswirtschaft

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Das neue VAG mit seiner Solvency-II-Umsetzung enthält die sogenannten Fit & Proper-Anforderungen an Personen, die Versicherungsunternehmen leiten und diejenigen, die Schlüsselfunktionen innehaben. Sofern dieser Personenkreis nicht die fachliche Eignung erfüllt, sind zielsetzungs- und adressatengerechte Kommunikations- und Schulungskonzepte nötig, um diese „fit“ zu machen. Dabei stellen sich didaktische Herausforderungen, die sich aus der Komplexität von Solvency II ergeben und aus den der neuen Versicherungsaufsicht inhärenten interdisziplinären Perspektiven.
Solvency II verlangt: Personen, die für das Unternehmen verantwortlich tätig sind, müssen fachlich geeignet und persönlich zuverlässig sein. Mit den Fit & Proper-Anforderungen soll sichergestellt werden, dass ein notwendiges Minimum der Qualifikationen, Kenntnisse und Erfahrungen gewährleistet ist und Firmen somit professionell geleitet und überwacht werden.

Solides Management setzt fachliche Eignung voraus

Personen, die den Solvency-II-Anforderungen zu Fit & Proper unterliegen, können vier Personenkreisen zugeordnet werden. Der erste Personenkreis umfasst jene Personen, die ein Unternehmen tatsächlich leiten, die also dazu autorisiert sind, wesentliche Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen (etwa der Vorstand). Die Personenkreise zwei, drei und vier werden unter dem Begriff „andere Schlüsselaufgaben“ zusammengefasst: Inhaber der Governance-Funktionen (interne Revisionsfunktion, versicherungsmathematische Funktion, unabhängige Risikocontrollingfunktion und Compliance-Funktion), Mitglieder des Aufsichtsrats und Personen, die unternehmensindividuell festgelegte weitere „andere Schlüsselaufgaben“ innehaben.
Die fachliche Eignung setzt Berufsqualifikationen, Kenntnisse und Erfahrungen voraus, die ein solides und vorsichtiges Management gewährleisten. Die Anforderungen umfassen dabei angemessene theoretische und praktische Kenntnisse in Versicherungsgeschäften sowie, wenn erforderlich, ausreichende Leitungserfahrung. Bei der Feststellung der fachlichen Eignung der Funktionsträger greift das Proportionalitätsprinzip. Dies bedeutet, dass die Anforderungen bezogen auf die Tätigkeit der betreffenden Person sowie auf das allgemeine Geschäfts-, Wirtschafts- und Marktumfeld des Unternehmens beurteilt werden.
Bei der Prüfung der persönlichen Zuverlässigkeit einer Person ist deren Integrität zu beurteilen. Diese Beurteilung basiert insbesondere auf Nachweisen zum strafrechtlichen (Wohl-)Verhalten…