Erschienen in Ausgabe 12-2016Märkte & Vertrieb

Generali lässt Renzi fallen

Italien zittert vor dem Trump-Effekt beim Verfassungsreferendum Anfang Dezember

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Gerade einen Monat ist es her, da sonnte sich Italiens Premier Matteo Renzi im Glanz der großen Weltpolitik. US-Präsident Barack Obama widmete ihm sein letztes Staatsbankett im Weißen Haus. „Wir haben uns das Beste für den Schluss aufgehoben“, führte Obama den 41-jährigen Regierungschef ein, um anschließend dessen Reformeifer zu loben. Renzi, der innenpolitisch unter Druck steht, genoss sichtlich die Bilder vom großen Staatsmann, die in der Heimat über die Bildschirme flimmerten. Zumal er wortgewaltige und symbolträchtige Hilfe gut gebrauchen kann. Am 4. Dezember stimmen die Italiener über die große Verfassungs- und Verwaltungsreform ab, und vom Ausgang der Abstimmung könnte seine politische Karriere abhängen. Wie gut war es da, dass Obama den Italienern die klare Empfehlung ans Herz legte, doch bitte der Reform zuzustimmen.

Selbst Draghi kann nicht mehr helfen

Dumm nur: Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten wirkt die Unterstützung von Obama eher hinderlich. Schließlich hat Renzi öffentlich auf Hillary Clinton gesetzt. Italiens Populisten, die selbst ernannten „Trumpisti“, wittern Morgenluft. Die rechtsradikale Lega Nord mobilisiert seit Wochen mit Großkundgebungen, um gegen Renzi und sein Referendum zu polemisieren. Auch Ex-Premier Silvio Berlusconi meldet sich wieder zu Wort und brüstet sich seiner geistigen Seelenverwandschaft mit Trump. Italien scheint einer der größten Verlierer der US-Wahl in der Euro-Zone. Nirgendwo in Europa ist die Abneigung gegen die Globalisierung so stark ausgeprägt wie im Stiefelstaat, und nirgendwo scheint die populistische Ansteckungsgefahr so groß.
Denn allen Reformanstrengungen zum Trotz steht Italien wirtschaftlich noch immer wackelig da. Das Wachstum wächst zäh, die rekordhohen Schulden in Höhe von 2,2 Bil. Euro steigen weiter. Die verheerende Erdbebenserie der vergangenen Monate verursachte Schäden in Milliardenhöhe. Das ist auch ein Problem für die Euro-Zone. Schließlich ist Italien die drittgrößte Ökonomie der Währungsunion. Die Zeit, die Mario Draghi dem Land durch niedrige Zinsen und Anleihekäufe gab, wurde nicht für Reformen genutzt. Die Finanzmärkte sind alarmiert. Die Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen sind in der vergangenen Woche um fast 40 Basispunkte (0,4%-Punkte) gestiegen, mehr als doppelt so stark wie anderswo in der Euro-Zone. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, will nicht mal ausschließen, dass Italien wegen finanzieller Probleme einen…