Erschienen in Ausgabe 12-2016Märkte & Vertrieb

Spanien profitiert vom EZB-Schirm

Wirtschaft floriert trotz Regierungskrise, die geplante Rentenreform verspricht noch bessere Zeiten

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Spanische Versicherer lassen die Korken knallen. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres hat sich das Prämienvolumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14,9 Prozent auf 47,4 Mrd. Euro erhöht. Die Prognosen für 2017 deuten auf eine Fortsetzung des aktuellen Trends hin. Getrieben wird das spektakuläre Wachstum der spanischen Versicherer von der dynamischen Wirtschaftsentwicklung mit einem Zuwachs des BIP von 3,1 Prozent 2016. Die Konsensschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts Funcas prognostiziert für 2017 eine Abschwächung der Wirtschaftsdynamik auf den aber noch immer guten Wert von 2,3 Prozent. Hinzu kommen die Nachholeffekte aus dem Konsum- und Investitionsstau während der schweren Krisenjahre zwischen 2007 und 2015. Die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg Spaniens bildet die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit ihren niedrigen Zinsen und dem Anleihekaufprogramm. Die Geldschwemme kommt letztlich in der Wirtschaft und den über Jahre ausgetrockneten Kreditmärkten an. Das befeuert den privaten Konsum, der 2016 um 3,3 Prozent kräftig zulegte. Für 2017 prognostiziert Funcas eine Zuwachsrate von 2,4 Prozent.

Kreditboom beflügelt Risikoleben

Durch den künstlichen Eingriff der EZB hat sich der über Jahre geschlossene Kredithahn in Spanien wieder spürbar geöffnet. Selbst der nach dem Platzen der Immobilienblase 2007 über viele Jahre regungslose Immobilienmarkt ist wieder in Fahrt gekommen. Die Immobilienverkäufe steigen aktuell in einem Rhythmus von 13 Prozent und die über Hypothekenkredite finanzierten Transaktionen um 46 Prozent. Auch auf der Großbaustelle Arbeitsmarkt kommt die gesamtwirtschaftliche Verbesserung an. Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise erreichte die Arbeitslosenquote 26 Prozent, 2016 ist sie auf 19,8 Prozent gesunken. Bei relativer Betrachtung sind diese Fortschritte zwar bemerkenswert, allerdings gehen Experten unisono davon aus, dass es noch viele Jahre dauern wird, bis Spanien seine Arbeitslosenquote auf ein nachhaltiges Niveau wird senken können. 2017 erwartet die Konsensschätzung von Funcas eine weitere Verbesserung auf 18,3 Prozent.
Die Versicherungsbranche kann von diesen boomenden Rahmenbedingungen in allen Geschäftsbereichen profitieren. Als Grundvoraussetzung gelten allerdings die Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik der EZB und eine weiterhin nachsichtige Europäische Kommission, die die permanente Verletzung der Defizitziele Spaniens ohne nachhaltige Sparmaßnahmen weiter hinnimmt. Die…