Erschienen in Ausgabe 12-2016Unternehmen & Management

Die große Freiheit bleibt aus

Trotz Wegfalls der Anlageverordnung üben Versicherer Kritik am strengen Regime von Solvency II

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Versorgung im öffentlichen Dienst

Die ganzheitliche, prinzipienbasierte Risikobetrachtung im Zuge von Solvency II hat die Kapitalanlage (noch) nicht signifikant geändert. Mit dem Wegfall der Anlageverordnung ist auch die große Freiheit im Asset Management nicht ausgebrochen. „Es ist eher das Gegenteil eingetreten“, kritisiert Harald Epple, Gothaer-Kapitalanlagevorstand.
Das neue Eigenkapitalregime fordert eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Risiken der Anlage sowie eine umfassende Dokumentation darüber. Einer der Knackpunkte ist die Leitlinie 28 der Auslegungsentscheidung zum Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht (Prudent Person Principle). Dabei geht es um „nicht-alltägliche“ Anlagen bzw. Anlagetätigkeiten. Die Aufsicht sieht dies vor allem bei komplexen Anlagen oder Anlagetätigkeiten mit großem Volumen. Bevor eine solche Kapitalanlage erstmalig gekauft werden kann, müssen die Unternehmen selbst die Prinzipien zur Bewertung dieser neuartigen Anlageprodukte sowie die zur Messung neuer Risiken festlegen. Außerdem ist sicherzustellen, dass für solche Anlageprodukte „ein personell und sachlich adäquat ausgestattetes sowie fachlich qualifiziertes Anlage- und Risiko­management“ vorhanden ist.
Die generell hohen Anforderungen an Vorbereitungen und deren Dokumentation indes verhinderten Kapitalanlageentscheidungen, glaubt Eppler. „Man wird langsamer. Die Dokumentation schränkt ein, weil die Ressourcen im Unternehmen letztlich begrenzt sind.“ Ein Fortschritt von Solvency II sei dagegen die engere Zusammenarbeit und höhere Interaktion zwischen den Mitarbeitern verschiedener Unternehmensbereiche. Den Mitarbeiter sei nun klarer, wo welche Risiken entstehen. Gleichwohl bemerkt Eppler: „Nur weil Risiken dokumentiert werden, sind sie nicht weg.“ Der Gothaer-Konzern hält intern noch an der Anlageverordnung bzw. einem eigenem darauf aufbauenden Limitsystem fest und will 2017 mit einem eigenen Regelwerk arbeiten.

Bafin richtet sich nach Eiopa-Vorgaben

„Ad hoc“ beobachtet die Aufsicht noch keine Veränderung der Anlagepolitik, berichtete Bafin-Referatsleiterin Agnes Agsten. Die Beträge aus Neuanlage, Wiederanlage bei Hebung stiller Reserven und Fälligkeiten seien nicht so groß, dass sich damit das Portfolio drehen lasse. Die Struktur der Kapitalanlage habe sich einer Stichprobe zufolge nicht signifikant geändert.
Was sich verändert hat, ist die Art der Erfassung und Einordnung, da sich die Bafin hier nun an den Vorgaben der Eiopa ausrichtet. Diese…