Erschienen in Ausgabe 12-2016Märkte & Vertrieb

Weihnachtsgeschenke über Bord

Transport- und Warenversicherer erwarten nach der Pleite der Reederei Hanjin Lines einen Milliardenschaden

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Nach Jahren aggressiver Expansion wurde die koreanische Hanjin Lines ein Opfer rekordtiefer Frachtraten und stellte einen Insolvenzantrag. Ihre ca. 150 Einheiten wurden von der Reederei angewiesen, nur dann einen Hafen anzulaufen, wenn mit keiner Beschlagnahme zu rechnen ist. Geht man von 5.000 20-Fuß-Containern je Schiff und 70 orientierungslosen Einheiten aus, so könnten 350.000 Container derzeit wochenlang auf dem Meer herumdümpeln. Die Chancen der jeweiligen Besteller, ihre Ware noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft zu erhalten, dürften nicht mehr allzu gut stehen. Unter vielen Transportpolicen geht dann der Verspätungsschaden in Richtung eines Totalschadens. Hieraus könnten sich insgesamt Milliardenschäden für die betroffenen Transportversicherer ergeben. Diese werden sich nach der Schadenaggregierung dann mit ihren Rückversicherern darüber streiten, ob die Insolvenz insgesamt als ein Schaden zu behandeln ist oder ein einheitlicher Schaden nur im Bezug auf ein einziges verspätetes Schiff anzusehen ist. Die Hanjin Insolvenz hat auch eine positive Seite: der Preis für die Versendung eines 40-Fuß-Containers von China nach Europa sprang dank der plötzlichen Angebotsverknappung von 1.100 auf 1.700 US-Dollar. Wieder auskömmliche Frachtraten würden die Zahlung höherer Versicherungsprämien gestatten. Die Welt-Transportprämie betrug für das Zeichnungsjahr 2015 rund 29,9 Mrd. Dollar.

Opfer klagen gegen Saudi-Arabien wegen 9/11

40 Mrd. Dollar hat der Twin-Towers-Anschlag die Welt-Assekuranz gekostet. Die Behauptung, dass die saudische Regierung damit etwas zu tun hätte, konnten Angehörige der Opfer vor einem US-Gericht noch nicht klären lassen. Im Wege stand der Grundsatz der „Sovereign Immunity“, der es verbot, ausländische Mächte vor nationale Gerichte zu stellen. Mittlerweile ist das saudische Image allerdings arg ramponiert, das Land gilt als Exporteur eines agressiven Wahabismus und als Betreiber des Krieges im Jemen. Im US-Kongress passierte daher ein Gesetz „Justice Against Sponsors of Terrorism Act (Jasta)“, welches es US-Gerichten hinfort gestattet, vom Prinzip der Sovereign Immunity dann abzuweichen, wenn es um Terrorakte auf US-Boden geht, wie just im Fall von 9/11.
Im Grunde müsste die nun anlaufende Schadenersatzlawine gegen Saudi Arabien auch für an die Stelle entschädigter Opfer getretene Versicherer gelten. Selbst nach letzt­instanzlichem Obsiegen vor US-Gerichten stellt sich jedoch die Frage nach der Durchsetzung eines solchen Urteils. Der…