Erschienen in Ausgabe 12-2016Märkte & Vertrieb

Ameisen gegen weiße Kolosse

Indien beschützt seine Rückversicherer wie heilige Elefanten und erschwert deutschen Playern den Marktzugang

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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In der Mathematik und in der Astronomie waren indische Gelehrte sehr befähigt und finden sich heute als Statistiker und Buchhalter in allen Assekuranz-Metropolen der Welt wieder. Berkshire Hathaways Insurance-Division steht unter der Leitung von Ajit Jain, der börsengelistete kanadische Rückversicherer Fairfax Financial hat Prem Watsa zum CEO. Nur im Heimatland Indien tat sich, was die internationale Erst- und Rückversicherung angeht, bislang nicht allzu viel. An einer fehlenden Zahlenbegeisterung von indischen Mitarbeitern kann es nicht liegen, ausschlaggebend war vielmehr die fehlgeleitete postkoloniale Wirtschaftspolitik. Seit dem Jahr 2000 wurde der Markt allmählich liberalisiert, eine Reform im Jahr 2015 gestattet nun auch ausländischen Rückversicherern den Marktzutritt im Wege der Errichtung von Niederlassungen. Die wuchernde Bürokratie stellt neue Marktplayer jedoch vor große Herausforderungen.

Unter Aufsichts Gnaden

1972 verstaatlichte das damals einer sozialistisch-dirigistischen Ideologie fröhnende Indien durch Erlass des General Insurance Business Nationalization Act (GIBNA) sämtliche Nicht-Lebensversicherer (55 nationale Gesellschaften sowie 52 ausländische Niederlassungen) und fasste sie in vier unter ein und derselben staatlichen Holding GIC stehende Gesellschaften zusammen: National, New India, Oriental und United India. Im Jahr 2000 schlug das regulatorische Pendel in die umgekehrte Richtung: Die vier Erstversicherungstöchter der GIC verloren ihr Monopol und GIC wurde zu einem Rückversicherer, während die Kontrolle über die vier bisherigen Töchter an die indische Regierung und die Befugnisse der Regulierungsbehörde auf die Irdai (Insurance Regulatory Authority of India) überging.
In Indien liegt die Pro-Kopf-Versicherungsprämie ledglich bei 55 US-Dollar. Das Land zählt derzeit 28 Nicht-Lebensversicherer und sowie 24 Lebensversicherer. In die Nicht-Lebensversicherer eingeschlossen sind die vier erwähnten staatlichen Gesellschaften, der ebenfalls staatliche Ernte- und Exportkreditversicherer sowie fünf reine Krankenversicherer. Während es im Bereich Nicht-Leben die privaten Anbieter nach der Reprivatisierung wieder auf einen 45-prozentigen Anteil hatten bringen können, schafften es die Privaten neben der nach wie vor staatlichen Life Insurance Corporation of India lediglich auf 27 Prozent. Ausländische Aktionäre dürfen nunmehr 49 Prozent an ihren indischen Töchtern halten (vormals bloß 26%), was sie zu nicht immer harmonisch verlaufenden Joint…