Erschienen in Ausgabe 11-2016Trends & Innovationen

Fortschritt, Fairness und der Ruf nach flexiblen Strukturen

Versicherungswirtschaft bekennt sich zu sozialverträglichen Arbeitskonzepten

Von Dr. Andreas EurichVersicherungswirtschaft

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Durch die Verkündung des Grundgesetzes 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland als demokratischer und sozialer Bundesstaat gegründet. Zunächst noch geprägt von Zerstörung und Arbeitslosigkeit, entwickelte sich mit der Zeit ein neuer Alltag im Land, getrieben von Wiederaufbau und Fortschritt. Heute wie damals stützt der Versicherungsgedanke die Stabilität und die soziale und wirtschaftliche Sicherheit in Deutschland. Seine Säulen sind Solidarität, Kollektiv, Risikobeherrschung und Eigenverantwortung. Ein guter Grund, weshalb die Militärregierung nach 1945 den Wiederaufbau dieses Wirtschaftszweiges förderte: Bereits 1946 genehmigte sie die Herausgabe der Zeitschrift „Versicherungswirtschaft“ zur Förderung des demokratischen Staatswesens. Wenig später bildeten sich auch die Strukturen der beiden Spitzenorganisationen der Versicherungswirtschaft heraus, der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) als sozialpolitische sowie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) als wirtschaftspolitische Vertretung.

Tarifautonomie im Grundsatz

Das Recht von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, „zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden“, ist im deutschen Grundgesetz (Art. 9 Abs. 3 GG) verankert. Die Koalitionsfreiheit gehört damit zu den garantierten demokratischen Grundrechten in Deutschland. Sie stellt einen Sonderfall des Rechts aller Deutschen dar, Vereine und Gesellschaften zu bilden. Damit untermauert Koalitionsfreiheit die Bedeutung starker zivilgesellschaftlicher Strukturen, etwa durch ein entwickeltes Verbandswesen.
Der AGV in seiner Funktion als Dachorganisation für die Versicherungsarbeitgeber Deutschlands wurde im Oktober 1950, vorerst für Westdeutschland, gegründet. Seine Tradition reicht allerdings viel weiter, bis in das Jahr 1919, zurück. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bestanden zunächst unterschiedliche Arbeitgebervereinigungen der britischen, amerikanischen sowie französischen Besatzungszonen, die eng zusammenarbeiteten. Der erste Nachkriegstarifvertrag mit den Arbeitnehmervertretern der Versicherungswirtschaft, die in gewerkschaftlichen Strukturen bald nach 1945 wieder zugelassen waren, trat am 1. Juli 1949 in Kraft. Dieser galt zunächst nur für die französische Besatzungszone und wurde mit Wirkung vom Januar 1951 auf alle in den drei Westzonen ansässigen Versicherungsunternehmen ausgedehnt. Als Tarifpartner verhandelt der AGV seitdem mit seinen…