Erschienen in Ausgabe 11-2016Trends & Innovationen

Drittstaaten beim Speeddating unerwünscht

Bafin-Regelung zum EU-Marktzugang verwirrt die Reinsurance-Einkäufer in Baden-Baden

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Die Drittstaatenregelung der Bafin verursacht Christian Theysohn bei den Verhandlungen in Baden-Baden erhebliches Kopfzerbrechen. „Da weiß keiner, wie die Aufsicht vorgeht“, sagt der Rückversicherungseinkäufer der SV gegenüber der Versicherungswirtschaft. „In dieser Sache gibt es keine einfache Entscheidung.“ Im ungünstigsten Fall drohen empfindliche Strafen, wenn er sich mit Rückversicherern aus Drittstaaten in Baden-Baden trifft. Wegen der rechtlichen Unsicherheit wird Theysohn sein Programm in diesem Jahr später als üblich komplettieren. Die SV kauft in der Summe Rückversicherungsschutz für 1,3 Mrd. Euro ein. Es ist damit das größte Programm am deutschen Markt. 65 Rückversicherer sind daran beteiligt. Wie gut es funktioniert, hat das Katastrophenjahr 2013 gezeigt, als die SV vom teuersten Hagelschaden in der Geschichte der deutschen Versicherer getroffen war.
Die im Sommer veröffentlichte Auslegungsentscheidung der Bafin über Rückversicherer ohne Solvency-II-Äquivalenz schränkt den Zugang von Unternehmen ohne EU-Sitz erheblich ein. Ausnahmen sind die Schweiz, die Bermudas und Japan. Wegen dieser strikten Auslegung ist bei dem einen oder anderen Versicherer in Baden-Baden ein Gesprächs-Slot frei geworden. Den Markt verändern wird diese Maßnahme nicht, sind Munich Re und E+S Rück überzeugt. „Das ist ein sehr limitiertes Segment des deutschen Marktes“, sagt Ludger Arnoldussen, Vorstand der Munich Re. „Für einzelne Marktteilnehmer mag das überraschend gekommen sein.“ E+S-Vorstand Michael Pickel bestätigt: „Das dürfte für den deutschen Markt kein Thema sein.“ Peak Re hat bereits auf die verschärften Anforderungen reagiert und wird ihr Büro in Zürich zu einer Niederlassung ausbauen.
Déjà vu: Für die Underwriter der Rückversicherer waren die Verhandlungen viel schwieriger als für die Versicherer. In den vergangenen acht Jahren lagen die Schaden-Kosten-Quoten der Rückversicherer zwischen äußerst auskömmlichen 90 bis 95 Prozent. Einzige Ausnahme war das Katastrophenjahr 2011 mit dem Erdbeben in Japan. Im ersten Halbjahr lag die Combined Ratio der großen Rückversicherer bei knapp 95 Prozent, ein „relativ stabiles Bild“, sagte Jan-Oliver Thofern von Aon Benfield.

Talsohle bei Preisen ist erreicht

Das Rückversicherungskapital ist im ersten Halbjahr um 20 Mrd. auf 585 Mrd. US-Dollar angewachsen. Die geringen Schäden drücken jedoch auf die Preise: Laut Guy Carpenter fällt der Rate on Line Index für Rückversicherung seit drei Jahren. Er befindet sich derzeit auf dem…