Erschienen in Ausgabe 11-2016Märkte & Vertrieb

Schutzschild gegen den Schadenfall auf Führungsebene

Der Bedarf nach Aufsichtsratsdeckungen steigt – D&O-Experten ihrerseits kritisieren das Fehlen einheitlicher Marktdaten

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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D&O-Versicherungen sind nach wie vor ein schwieriges und hochsensibles Geschäftsfeld für die Versicherungsbranche und ihre Kunden. Das wurde deutlich auf dem 7. Haftpflichtforum des Seminars für Versicherungswissenschaft an der Universität Hamburg. Rund 430 Fachleute aus Wissenschaft, Versicherungswirtschaft und Maklerschaft kamen in der Erwartung, Informationen über neue Trends, Entwicklungen und rechtliche Aspekte zu erfahren. Sie wurden nicht enttäuscht.
Die Unternehmensentscheider sind einem ständig zunehmenden Risiko ausgesetzt, auf Schadenersatz in Anspruch genommen zu werden. Sowohl von der eigenen Gesellschaft in der Innenhaftung oder von Dritten in der Außenhaftung können Forderungen geltend gemacht werden. Robert Koch, Professor und geschäftsführender Direktor des Seminars, hatte für die Vorträge einen Mix von Experten aus Wissenschaft und Praxis engagiert.

Jedes Jahr werden 5.500 neue Schadenfälle gemeldet

In Deutschland gibt es rund 40 Gesellschaften, die D&O-Deckungen anbieten. Eines der führenden Unternehmen in Deutschland ist die AIG. Nepomuk Loesti, Financial Lines Manager für die Dach-Region, berichtete von steigenden Schadenzahlen für sein Unternehmen in Europa, vor allem außerhalb Deutschlands. Jedes Jahr werden 5.500 neue Commercial D&O-Schäden gemeldet. Dabei steige die Anzahl der Schäden, die außerhalb des Heimatlandes aufgrund internationaler Expansion geltend gemacht werden. Korruption und Bestechung als Schadenursache würden zunehmen. D&O-Schäden beträfen in Deutschland hauptsächlich Insolvenzen, den Regress von Bußgeldern und von Innenregressen sowie den Strafrechtsschutz. „Pro Monat haben wir in Deutschland 40 neue Schadenmeldungen“, erklärt Loesti. Er berichtete von einer angespannten Profitabilitätssituation im Großkundensegment mit weiteren potenziellen Großschäden in der Pipeline. Dynamisch entwickele sich das Geschäft bei Aufsichtsratsdeckungen mit einem spürbaren Anstieg von Anfragen und Abschlüssen im Mittelstandssegment. Harald Köberich, auf Financial Lines spezialisierter Versicherungsmakler, bewertete den Markt für D&O-Versicherungen als nach wie vor weitestgehend intransparent.
Vor allem fehlten einheitliche Marktdaten, was die Akquise erheblich erschwere. Köberich wies auf ein teilweise schlechtes Image von D&O-Policen in der Öffentlichkeit hin, weil der eine oder andere Schadenfall mit hohen Schaden- bzw. Versicherungssummen nicht reguliert wurde. Zudem kritisierte er die Versicherer, die…