Erschienen in Ausgabe 11-2016Märkte & Vertrieb

Die Karten werden neu gemischt

Der zu erwartende Schub im Geschäft mit Betriebsrenten wird den Aufsteigern in der Lebensversicherung Chancen eröffnen

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Die verbesserte Förderung von Betriebsrenten wird dem Geschäft der Lebensversicherer neuen Schub geben. Die betriebliche Altersvorsorge war der eigentliche Gewinner der Riester-Reform. Der damalige GDV-Präsident Bernd Michaels hatte das bereits im Jahr 2003 festgestellt und damit einen guten Riecher bewiesen. 539 Mrd. Euro an Deckungsmitteln sind in den fünf Wegen der betrieblichen Altersversorgung vorhanden (Quelle: aba, Stand: 2013), das waren 62 Prozent mehr als im Jahr 2000.
Im gleichen Zeitraum stiegen die Kapitalanlagen der Lebensversicherer von 576 auf 874,4 Mrd. Euro (Quelle: Bafin), das ist ein Plus von 52 Prozent. Der Abstand zwischen der individuellen (Säule III) und betrieblichen Altersvorsorge (Säule II) ist kleiner geworden. Trotzdem wird die Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung in der Öffentlichkeit stark unterschätzt. bAV ist ein kompliziertes Thema, an das sich nur wenige Journalisten heranwagen und noch viel weniger arbeitende Normalbürger. Beratung ist gefragt. In der Realität ist die bAV stärker verbreitet als die Riester-Rente. Die Zahl der Anwartschaften in der bAV dürfte jetzt die 20 Millionen gut überschritten haben. Im Jahre 2001 waren es weniger als 15 Millionen gewesen.

Problem der Arbeitslosigkeit

Derzeit bezieht nur jeder dritte Rentner Geld aus einer bAV, heißt es in dem jetzt fertig gestellten Alterssicherungsbericht 2016 der Bundesregierung. Die Einkünfte daraus sind genauso hoch wie aus der dritten Schicht, der individuellen Vorsorge: Im Schnitt sind das jeweils 418 Euro monatlich. Von den 43,6 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland sind gut 31 Millionen sozialversicherungspflichtig. Das Potenzial in der betrieblichen Altersversorgung ist also immer noch sehr groß. Je nachdem, um was für eine Art von Haushalt es sich handelt, schwankt die Verbreitung der bAV zwischen 44 und 66 Prozent, stellen Martin Beznoska und Jochen Pimpertz vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IDW) fest. Sie haben Daten aus fünf sehr ergiebigen Quellen zusammengeführt, darunter das Sozioökonomische Panel (12.000 Befragte), die Arbeitskostenerhebung des Statistischen Bundesamts, eine TNS-Infratest-Umfrage (Alterssicherung in Deutschland) im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums (27. 000 Befragte ab dem Alter von 55 Jahren) und die aktuelle Trägerbefragung, ebenfalls durch TNS Infratest. Die IDW-Forscher sehen das Hauptproblem der Altersvorsorge in der Arbeitslosigkeit. „Ein bedeutsames Hindernis für die betriebliche und geförderte private…