Erschienen in Ausgabe 11-2016Märkte & Vertrieb

„Wir sind in Deutschland nicht so schlecht aufgestellt“

GDV-Geschäftsführer Peter Schwark erklärt, warum er die Kritik an der Riester-Rente für überzogen hält

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Sie setzen sich für die Riester-Rente ein und eine bessere Förderung der bAV. Haben Sie manchmal das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen?

Peter Schwark: Die kapitalgedeckte Altersvorsorge und folglich auch die Riester-Rente erfahren zurzeit durch die Situation an den Kapitalmärkten spürbar Gegenwind. Aber auch Kräfte, die sich die vermeintliche Wohlfühlwelt einer lebensstandardsichernden gesetzlichen Rentenversicherung zurück wünschen, machen sich bemerkbar. Allerdings ist das völlig unrealistisch. Der demografische Wandel ist unaufhaltsam. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, stehen dem zahlenmäßig deutlich weniger neu in den Arbeitsmarkt eintretende Arbeitnehmer gegenüber. Wir brauchen die zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge mehr denn je, diese muss weiter gestärkt werden. Den Reformkritikern wird am besten der Wind aus den Segeln genommen, indem die Politik neue Impulse setzt, sowohl in der betrieblichen Altersversorgung als auch zum Beispiel in der Riester-Rente.

Inzwischen sind Umrisse einer Reform der betrieblichen Altersvorsorge bekannt geworden. Darin wird ein Sozialpartnermodell favorisiert. Es gibt zusätzlich wesentliche Punkte, die die Versicherungswirtschaft fördern helfen. Was sind für Sie die Vorteile der Reform, und worin sehen Sie Nachteile?

Ein klarer Fortschritt ist die neue Geringverdiener-Förderung. Steuerliche Anreize allein erreichen die Geringverdiener nicht. Dieser Gruppe von Arbeitnehmern einen Zuschuss zu gewähren, ist ein echter Impuls für die bAV, auch für arbeitgeberfinanzierte Betriebsrenten. Das Ganze wird idealerweise begleitet von Freibeträgen für den Fall der Grundsicherung. Ich hoffe, dass das auch Gesetzesbestandteil wird. Denn sonst haben manche Menschen das Gefühl, dass sich Eigenvorsorge nicht lohnt. Die Ausweitung des Dotierungsrahmens für die Entgeltumwandlung auf sieben Prozent der Beitragsbemessungsgrenze wäre ein weiterer Fortschritt, wenn wir auch hoffen, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Wir wünschen uns mindestens acht Prozent. Das würde auch zusätzliche vertriebliche Impulse bringen. Nicht ganz so klar umrissen erscheint mir das Sozialpartnermodell im Hinblick auf das Zielrentenkonzept sowie den Entfall der Arbeitgeber-Haftung.

Und was ist mit Direktversicherungen, einer sehr beliebten Anlageform?

Auch bei Direktversicherungen als sehr sicheres Vorsorge-Instrument sollte es dann zu vergleichbaren Enthaftungen kommen, denn die Garantien sind…