Erschienen in Ausgabe 11-2016Schlaglicht

Diagnose: ineffizient

Der Übergang vom reinen Kostenerstatter hin zum Kümmerer bleibt in der PKV noch unerreicht

Von Gerhard ReichlVersicherungswirtschaft

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Die Zinsentwicklung schlägt nun auch auf die Kunden der Privaten Krankenversicherung (PKV) durch. Wie der PKV-Verband kürzlich bekannt gab, werden 2017 die Beiträge für rund zwei Drittel der knapp 8,8 Mio. PKV-Versicherten im Durchschnitt um etwa elf Prozent steigen. DKV und Axa hatten bereits zu Jahresbeginn die Beiträge zum Teil drastisch erhöhen müssen. Da hilft es wenig, dass die Branche in den vergangenen vier Jahren mit durchschnittlich rund 2,5 Prozent nur moderate Beitragssteigerungen zu verzeichnen hatte. Diese Botschaften rufen die Kritiker der PKV wieder auf den Plan, sodass die Forderungen nach Reformen der Anpassungsmodalitäten oder gar nach der Abschaffung der PKV im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 wieder lauter werden dürften. Insofern kommen die Beitragserhöhungen für die Unternehmen zur Unzeit, auch wenn die Erkenntnis, dass die Branche keine Schuld für die Entwicklung an den Kapitalmärkten trägt, inzwischen weit verbreitet ist. An der Kaufzurückhaltung und Verunsicherung der (potenziellen) Kunden ändert dies jedoch nichts und zwingt die Unternehmen zum Handeln.

Verdrängungswettbewerb zeigt Folgen

Das Neugeschäftspotenzial in der Vollversicherung hat sich als Folge der Reformen im Gesundheitswesen immer weiter verringert. Mit der außerordentlichen Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze im Jahr 2003 um 13,3 Prozent von 40.500 auf 45.900 Euro hat sich die Zahl der gutverdienenden Angestellten, die sich privat versichern können, schlagartig deutlich verringert (2017: 57.600 Euro). Dies führte dazu, dass der PKV-Markt sich zu einem Verteilungsmarkt gewandelt hat. Viele Anbieter konzentrierten ihre Wettbewerbsaktivitäten auf das PKV-Wechselgeschäft und versuchten, sich mit immer höheren Provisionszahlungen Neugeschäft zu erkaufen. Aus diesem Grund limitierte der Gesetzgeber per 1. April 2012 die Abschlussprovisionen. Auch aufgrund der Einführung von Unisexbeiträgen haben sich auch die Wechselbewegungen zwischen den PKV-Unternehmen deutlich reduziert. Der Verdrängungswettbewerb hat zu einer gewissen Marktbereinigung geführt. Von ehemals 53 ordentlichen Mitgliedern des PKV-Verbandes (1999) sind noch 41 übrig geblieben.
Die größte Gruppe unter den Zugängen aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stellen Beihilfeempfänger dar, so dass vor allem erklärte Beihilfeversicherer wie Debeka oder Huk-Coburg der negativen Marktentwicklung trotzen und als nahezu einzige Krankenversicherungsunternehmen weiterhin Bestandszuwächse verzeichnen.
Die…