Erschienen in Ausgabe 11-2016Schlaglicht

„Planwirtschaft“ hofft auf Game-Changer

Zu viele Akteure blockieren Innovationen, dabei zeigt die Schweiz wie es geht

Von Alexander KasparVersicherungswirtschaft

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„Planwirtschaft“ hofft auf Game-Changer

Zu viele Akteure blockieren Innovationen, dabei zeigt die Schweiz wie es geht

Geht es um die Effizienz im Gesundheitswesen, tragen alle Beteiligten das Wohl der Patienten wie eine Monstranz vor sich her, und wollen „vom Kunden her denken“. Das war auch auf dem 15. Europäischen Gesundheitskongress in München nicht anders. „Neue Chancen für Wettbewerbsfähigkeit und Patientennutzen“ lautete das Motto.
Früher war alles besser, hieß es früher. Heute heißt es, in der Zukunft ist alles besser. Wenn die Welt voll durchdigitalisiert ist, dann wird alles effizient, es gibt keinen Verschleiß und keine Friktion mehr. Dann steht Kollege Roboter bereit und liefert auf Knopfdruck Beratung, Diagnose und Therapievorschläge. Doch will der Betroffene überhaupt wissen, welche Gefahren in seiner DNA verborgen lauern, darf dies auch das Versicherungsunternehmen wissen und wem gehören all die Daten überhaupt? Schließlich beträgt die jährliche Datenproduktion schon jetzt 1,9 Zettabyte. Für das Jahr 2020 werden 40 Zettabytes erwartet. Es besteht die Gefahr, das aus Big Data ganz schnell Big Chaos entsteht. Wie man das vermeidet, zeigt laut Andreas Faller einmal mehr die Schweiz: Neue Methoden, Therapien, Arzneimittel werden nur zugelassen, wenn sie die „WZW-Kriterien“ des Krankenversicherungsgesetzes erfüllen, erklärte der Geschäftsführer Bündnis Freiheitliches Gesundheitswesen. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis muss stimmen. Grundsätzlich gilt bei den Eidgenossen, dass Bund und Kantone nach dem Prinzip der Subsidiarität nur ins System intervenieren, wenn dieses zu versagen droht.
Ganz anders in Deutschland: Hier werden immer mehr Therapien und Diagnoseverfahren kumulativ eingesetzt, was die Preise nach oben treibt, denn am Ende zahlt ohnehin die Krankenversicherung. Wer aber hier Therapien und Anwendungen dem Effizienzgedanken unterwirft, erntet nicht selten einen Sturm der Entrüstung. Im Gegensatz zur Schweiz ist das hiesige System mit „regulierter Planwirtschaft“ durchaus treffend beschrieben. Doch die Digitalisierung löst auch hier alte Grenzverläufe auf und ganz langsam lässt sich die Entwicklung weg von einer hierarchisch organisierten hin zu einer daten-demokratischen Medizin beobachten. Das wirft aber gleich Datenschutzfragen auf. Dass Patienten souverän im Umgang mit ihren eigenen Daten sind, zeigt die Tatsache, dass 70 Prozent aller Nutzer von Wearables ihre Daten eben nicht ins Netz stellen, dies aber täten, wenn sie dort Sicherheit…