Erschienen in Ausgabe 11-2016Köpfe & Positionen

Gefühl der Unsicherheit.

Personen & Programme: „Industrieversicherer suchen den Anschluss“, .

Von Dr. Moritz FinkelnburgVersicherungswirtschaft

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Die großen Veranstaltungen der Industrieversicherungsbranche 2016 sind vorbei. Was bleibt, ist ein Gefühl der Unsicherheit und dringend notwendiger Umwälzungen.
Die anhaltende Niedrigzinsphase zwingt auch die Industrieversicherer dazu, ihr Geschäftsmodell anzupassen. Versicherungstechnische Verluste – die die Branche in den letzten fünf bis sechs Jahren geprägt haben – sind durch Kapitalanlagerenditen nicht mehr kompensierbar. Die Industrieportfolien müssen selbst belastbar und auf nachhaltige Rendite ausgerichtet werden. Ein Umstand, der für eine traditionell eher umsatzfokussierte Branche neu und nicht ohne weiteres realisierbar ist. Und dies in einer Zeit, in der mit Digitalisierung, ständig wachsenden Prozessanforderungen, neuartigen globalen Risiken und einem noch nicht umfassend akzeptierten Risiko-Management schwerwiegende Aufgaben zu bewältigen sind.
Digitalisierung stellt dabei eine der größten Herausforderungen dar. Die IT-Systeme sind oft veraltet und komplex. Sie werden den Anforderungen global aufgestellter Industriekunden immer weniger gerecht. In Zeiten der InsureTechs und ihrer sekundenschnellen Policenerstellung ist es einem Industriekunden kaum noch zumutbar, monatelang auf einen Nachtrag zu warten. Von den weiteren Anforderungen an schlanke digitale Prozesse ganz zu schweigen. Noch immer werden Handakten geführt, dauern Buchungs- oder Inkassovorgänge Wochen bis Monate und sind dann fehlerhaft. Von der zeitnahen Übermittlung von Risikoinformationen bis zum optischen Erscheinungsbild einer Bestandsübersicht für den Kunden hinkt die Branche modernen Zeiten weit hinterher.
Die zunehmende Globalisierung bringt weitere Anforderungen mit sich. Cyber, Reputationsrisiken, politisch bedingte Sanktionsklauseln oder Terror sind hier die Schlagworte. Den Industrieunternehmen wird es perspektivisch nicht mehr ausreichen, mit Deckungsmaximierungen abgesichert zu werden.
Last but not least das Risikomanagement: Die großen international aufgestellten Netzwerkversicherer haben in den letzten Jahren ihr Expertennetz ausgebaut und umfassende Systeme zur technischen Bewertung auch komplexester Risiken entwickelt. Bauingenieure, Geologen, Physiker oder Chemiker bis hin zu Kapitänen und Piloten: Es gibt kaum eine Expertise, die nicht erbracht werden kann. Was fehlt, ist die systematische Implementierung bei den Industrieunternehmen. Dort sind die internen Strukturen – trotz des Good Wills der Konzernleitung – oft noch nicht so gestaltet, dass Risikominimierung in…