Erschienen in Ausgabe 11-2016Unternehmen & Management

Mentale Metamorphose

Versicherungsunternehmen denken bei der Kapitalanlage um

Von Marcus SeverinVersicherungswirtschaft

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Für Versicherungsgesellschaften könnten die aktuellen Anlagebedingungen weltweit kaum schwieriger sein. Schwaches Wirtschaftswachstum, geopolitische Unsicherheiten, niedrige Zinsen und eine erhöhte Volatilität stellen die Branche bei der Vermögensaufteilung vor Herausforderungen. Zudem bereiten ihnen regulatorische Änderungen auch nach Inkrafttreten der EU-Versicherungsrichtlinie Solvency II Sorgen. Dies zeigt die fünfte jährliche Umfrage unter Versicherern, welche das britische Analysehaus Economist Intelligence Unit im Auftrag von BlackRock weltweit durchgeführt hat. Die Ergebnisse wurden vor dem Brexit-Votum Ende Juni erhoben. Eine zusätzliche Blitzumfrage unter mehr als 100 Versicherern hat ergeben: Die Auswirkungen, die infolge eines Brexit erwartet werden, dürften bestehende Trends verstärken. Das gilt speziell für die Ansicht, dass die Zinsen wohl für längere Zeit niedrig bleiben.
Damit verschärft sich das Anlagedilemma der Versicherer: Auf der einen Seite liefern traditionelle Anlageinstrumente nicht mehr die benötigten Renditen, um die laufenden Verpflichtungen der Gesellschaften zu decken. Auf der anderen Seite sind alternative Anlageprodukte für Versicherer zwar eine zunehmend reizvolle Anlagestrategie. Diese umzusetzen, stellt die Branche angesichts von Zugangshürden aber vor Probleme.
Das Umfeld insgesamt gestaltet sich für Versicherer durchaus dramatisch. Etlichen Gesellschaften droht das Aus. Denn ob Geschäftsmodelle auf der Basis von Garantieprodukten noch eine Zukunft haben, ist fraglich. Neue und anders aufgestellte Wettbewerber bringen die traditionelle Rolle der Versicherer beim Vermögensaufbau ins Wanken. Und die Suche nach höheren Renditen hat bei vielen Gesellschaften einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Die Umfrageergebnisse machen deutlich, wie sich die Branche diesen Herausforderungen stellt. Dazu gehört, dass Versicherer höhere Risiken eingehen oder Schritte ergreifen, um das mit Privatplatzierungen verbundene Potenzial zu nutzen und sich neuen Vorschriften anzupassen. Die vier wichtigsten Ergebnisse lauten: Versicherungsgesellschaften sind bereit, höhere Risiken einzugehen. Sie wenden sich alternativen Anlageklassen zu. Die Branche streckt die Fühler nach Privatplatzierungen aus. Regulatorische Risiken bereiten den Gesellschaften nach wie vor Sorgen.

Versicherer gehen höhere Risiken ein

Viele Versicherer hatten gehofft, die Zinsen würden bald und kontrolliert wieder steigen, sodass sich das Anlagedilemma quasi von allein löst…