Erschienen in Ausgabe 11-2016Schlaglicht

Sensible Daten mit großer Wirkung

Digitale Therapiemaßnahmen sollen den medizinischen Heilungsprozess beschleunigen

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Nicht nur Versicherungsunternehmen sitzen auf nahezu ungehobenen (Daten-) Schätzen, auch Mediziner. Wie bei den Versicherern handelt es sich dabei um größtenteils sensible Daten, die, richtig eingesetzt, eine große Wirkung haben können. Aber anders als in der Assekuranz sind die Datenschätze des einzelnen Anbieters – sprich Mediziners – für sinnvolle Anwendungen oft zu klein.
Wie sich Medizindaten sammeln, analysieren und künftig sinnvoll nutzen lassen, zeigten Arnfin Bergmann, Geschäftsführer des Neurologischen Ärzte Netzwerks NeuroTransData (NTD), und Philip van Hövell von PricewaterhouseCoopers auf der Fachkreistagung Krankenversicherung der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte. Im Netzwerk NeuroTransData arbeiten rund 100 Neurologen, 55 Psychiater, 70 Nervenärzte, 30 Psychologen und 380 medizinische Fachangestellte. Sie betreuen rund 600.000 Patienten pro Jahr in neurologischen/psychiatrischen Fällen. Die Praxen, die dem Netzwerk angehören, sind eigenständig, arbeiten aber bei der Datenerhebung und -verwendung nach einem einheitlichen Standard. Patient, Arzt und speziell von NTD geschulte Assistenten (Study-Nurse) erheben die Daten. Für den Patienten ergibt sich daraus der Vorteil, Folgerezepte schneller zu erhalten, elektronisch an die Einnahme seiner Medikamente erinnert zu werden oder dass Folgeuntersuchungen aufgrund von bestimmten Ereignis-Eingaben (z.B. Anfällen) automatisch vom System veranlasst werden. Dabei kann der Patient entscheiden, ob er die Daten vor Ort in der Praxis eingibt oder per Smartphone, PC oder Tablet. Alle erhobenen Daten (z.B. Sozialanamnese, Begleiterkrankungen und -therapien, Diagnostik, spezifische Therapien, Verlauf, Lebensqualität, Neuropsychologie, Pharmaökonomie) werden in jeder Praxis systematisch und im zeitlichen Verlauf erfasst und für die Datenbank anonymisiert. Die Datenbank ist nach Unternehmensangaben zurzeit für die Krankheitsgruppen Multiple Sklerose, Demenz, Epilepsie, Depression, Schizophrenie und bipolare Störung aktiviert. Bald sollen auch andere Krankheitsgruppen wie Parkinson oder zerebrale Ischämie erfasst werden. Zudem ist die Datenbank mit anderen Datenbanken vernetzt, wodurch Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien einfließen.

Krankheitsschübe berechnen

Um über diesen eher retrospektiven Ansatz der Datenverwendung hinauszukommen, hat man van Hövell mit an Bord genommen. Testfeld ist die Krankheit Multiple Sklerose (MS). Mit rund 28.000 Fällen behandeln die NTD-Praxen rund ein Fünftel aller in…