Erschienen in Ausgabe 11-2016Schlaglicht

Klinikkeime gefährden das Geschäft der Versicherer

Das Haftpflichtrisiko durch Krankenhausinfektionen ist immens – digitales Bettenmanagement soll Abhilfe schaffen

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Es ist immer wieder ein Aufreger-Thema in der Öffentlichkeit: Die Hygiene in deutschen Krankenhäusern. „Wenn ich alle Vorschriften einhalten sollte, brauche ich dafür rund 20 Minuten von einer Arbeitsstunde“, erklären Krankenhauspfleger fast schon entschuldigend, wenn Sie darauf angesprochen werden. Tatsächlich benötigt man für eine umfassende Handdesinfektion 30 Sekunden bei etwa 200 Patientenkontakten in einer 8-Stunden-Schicht. Das macht 2,08 Stunden nur für die Händehygiene. Das ist bei der Leistungsverdichtung nur schwer zu realisieren. Die größten Hygiene-Risiken in deutschen Krankenhäusern sind Hände (80%), Wasser (10%) und die Betten (10%). Das bestätigt Deutschlands größter Versicherungsmakler im Heilwesen, die Ecclesia-Gruppe. Das Tochterunternehmen Gesellschaft für Risiko-Beratung (GRB) versucht mit Lehr-und Studiengängen die Mitarbeiter der Krankenhäuser immer wieder für das Thema zu sensibilisieren. Ökonomische Gründe gegen eine sorgfältige Hygiene kann es nach Meinung des GRB-Geschäftsführers Peter Gausmann nicht geben, da gerade diese Maßnahmen geeignet sind, Kosten zu sparen.
„Erreger nosokomialer Infektionen“ werden die bösartigen Keime genannt, durch die sich ein Patient eine Infektion einfangen kann, obwohl er sich eigentlich Heilung für sein Leiden bei der Krankenhausbehandlung versprochen hat. Die Zahlen sind besorgniserregend: Laut den Helios-Kliniken infizieren sich etwa 600.000 Patienten jedes Jahr.Zwei Drittel dieser Infektionen seien jedoch nicht vermeidbar, weil diese durch patienteneigene Erreger verursacht werden, heißt es rechtfertigend. Aber weitere 200.000 der in den Kliniken allgemein erworbenen Infektionen wären vermeidbar, wenn Hygieneregeln streng eingehalten würden.

Streit um Todeszahlen durch Keime

Für medizinische Laien ist es schwer verständlich, dass jeder Mensch in großem Umfang Träger von Bakterien ist, den Gesunden dies aber gar nichts ausmacht. Insofern besteht in der Öffentlichkeit gerade hier eine Null-Fehler-Erwartung. Diese sei aber aus den genannten Gründen bei kranken Menschen besonders schwer zu realisieren, sagen Experten. Nach einer Studie der Charité und der Universitätsklinik Köln bringen fast zehn Prozent der Patienten multiresistente Bakterien schon von zu Hause mit. Besondere Problemgruppen sind u.a. Patienten aus Langzeitpflegeheimen, Patienten die dialysepflichtig sind oder bereits einen Aufenthalt auf einer Intensivstation hinter sich haben und Menschen, die in der Tiermast beschäftigt sind…