Erschienen in Ausgabe 11-2016Schlaglicht

Lockende Versprechen

Attraktive Zusatzangebote sind für GKV-Kunden effektiver als reine Beitragssenkungen

Von Rainer Meckes und Clemens Oberhammer und Ingo ReinhardtVersicherungswirtschaft

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Nach der Einführung der kassenindividuellen Zusatzbeiträge zum Januar 2015 mussten viele Kassen ein Jahr später erneut die Beiträge erhöhen. Die Zusatzbeiträge wurden im Januar 2016 im Durchschnitt um 0,2 Prozentpunkte auf einen Beitragssatz von 1,1 Prozent angehoben. Nachdem seit Mai dieses Jahres branchenweit erste Versichertenzahlen unter den neuen Beiträgen vorliegen, hat Simon-Kucher & Partners in einer aktuellen Studie den Einfluss von Zusatzbeitragshöhe, Umfang von Zusatzleistungen sowie weiteren Faktoren untersucht. Ausgewertet wurden Daten der 44 offenen Krankenkassen mit über 100.000 Versicherten aus dem Zeitraum Dezember 2015 bis April 2016.
Die Studie kommt zu zwei Ergebnissen: Zunächst hängt die Versichertenentwicklung von der Höhe des Zusatzbeitrags ab. Die Abbildung zeigt den Zusatzbeitrag (2016) sowie die Versichertenentwicklung (Dezember 2015 bis April 2016) für alle betrachteten Kassen. Kassen mit einem unterdurchschnittlichen Zusatzbeitrag konnten danach Versicherte gewinnen, wohingegen Kassen mit hohem Beitrag meist Versicherte verloren haben. So konnte die AOK Plus mit einem Zusatzbeitrag von 0,3 Prozent ein Versicherten-Plus von gut sechs Prozent verzeichnen, während die DAK-Gesundheit mit einem überdurchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,5 Prozent gut drei Prozent verlor. Im Durchschnitt gilt für die vier Monate seit der Beitragsanpassung: Ein um ein Zehntel höherer Beitragssatz führte zu einem Versichertenverlust von 0,6 Prozent. Ein Großteil der Versichertengewinne und -verluste der Kassen ist also auf den Zusatzbeitrag zurückzuführen. Bemerkenswert, dass die Höhe der Anpassung eine untergeordnete Rolle spielt und es vor allem darauf ankommt, wie hoch der resultierende Zusatzbeitrag ist. Es ist anzunehmen, dass sich die Entwicklung der ersten vier Monate, weiter fortsetzen wird. Das heißt, dass die bisherigen Gewinner mit weiteren Zuwächsen rechnen dürfen und die Verlierer mit weiteren Verlusten rechnen müssen.
Ist die Minimierung von Kosten die gebotene Strategie, um den Beitragssatz möglichst niedrig zu halten? Die Analyse der Versichertenzahlen zeigt weiter, dass einige Kassen es besser als andere schaffen, die Effekte der Beitragserhöhung abzufangen. Interessant ist, dass gute Zusatzleistungen einen positiven Einfluss auf die Versichertenentwicklung haben. Dies verdeutlicht der Vergleich der AOK Rheinland/Hamburg (RH) mit der IKK classic. Beide Kassen haben in 2016 einen Zusatzbeitrag von 1,4 Prozent (siehe Abbildung…