Erschienen in Ausgabe 11-2016Märkte & Vertrieb

Rabatte gegen Daten

Mit der Telematik bricht ein neues Zeitalter in der Kfz-Versicherung an – auch in der Tarifierung

Von Fabian Transchel und Andrea KellerVersicherungswirtschaft

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Die Kfz-Versicherung wird nicht mehr sein, wie sie war. Drei wichtige Trends graben den Markt derzeit um. Erstens sehen wir einen Anstieg der Versicherungsprämien weltweit. Trotz der erwarteten Abnahme der Unfallhäufigkeit aufgrund besserer Automobiltechnologie werden das Risiko und der damit verbundene Versicherungsbedarf global weiter steigen. Diese Entwicklung ist in erster Linie auf das Bevölkerungswachstum und die expandierenden Volkswirtschaften in den Schwellenländern zurückzuführen.
Zweitens sorgen neue Technologien wie die Fahrassistenzsysteme (FAS) für einen dramatischen Wandel in der Automobilwelt und machen das Fahren sicherer. Die neue Mercedes E-Klasse ist mit einem „Drive Pilot“ ausgestattet, der bei Geschwindigkeiten von bis zu 210 km/h einen sicheren Abstand zu anderen Autos halten kann. Darüber hinaus gaben z.B. Volvo und Baidu die für 2020 geplante Einführung von hoch automatisierten Fahrzeugen für den Massenmarkt bekannt.

Über 20 Mrd. Euro an jährlichen Prämien können wegfallen

Drittens nimmt die Konnektivität der Fahrzeuge zu. Sie eröffnet enorme Möglichkeiten im Bereich der nutzungsbasierten Versicherung (UBI). Produkte, die auf der Fahrhäufigkeit und dem Fahrstil beruhen, ermöglichen den Versicherungsgesellschaften, nicht nur ein besseres Fahrverhalten zu fördern, sondern sie können auch neue Lösungen für höhere Flexibilität bieten.
Man könnte einwenden, dass der Anteil der Verkehrstelematik momentan selbst in den in diesem Segment führenden Märkten wie in Italien, Großbritannien und den USA so gering ist, dass es sich für die Versicherer kaum lohnt, die Investitionen vorzunehmen und ein Telematik-Produkt einzuführen. Wir sollten die längerfristige Rolle vom autonomen Fahren nicht unterschätzen. Telematik wird die Basis für die weitere Digitalisierung der Motorfahrzeuge und die Evaluierung künftiger autonomer Fahrfunktionen bilden. Um Versicherten mit FAS ausgerüsteten Fahrzeugen Rabatte zu geben und bei einem Unfall nachweisen zu können, ob der Fahrer oder das System den Wagen gesteuert hat, müssen Versicherer in der Lage sein, die Fahrdaten eines automatisierten Fahrzeugs auszuwerten. Die Antwort auf diese Frage wird auch darüber entscheiden, ob die Versicherungsdeckung einer Kfz-Haftpflicht- oder einer Produkthaftpflichtpolice ausgelöst wird.
Wir rechnen damit, dass lange vor dem Erscheinen vollständig autonomer Automobile auf den Straßen die Zahl der Unfälle durch eine bessere Automobiltechnologie reduziert wird. Weniger Unfälle…