Erschienen in Ausgabe 11-2016Unternehmen & Management

Zurück ins Leben

Rückversicherer etablieren Existenzschutz durch Reha-Management-Programme

Von Norbert NeumannVersicherungswirtschaft

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Die Erfolgsgeschichte des Reha-Managements begann vor zwanzig Jahren. 1996 starteten gleich zwei Rückversicherer mit dem Aufbau eines Rehabilitations-Dienstes – die Bayerische Rück (heute Swiss Re) und die Kölnische Rück (heute Gen Re). Die Zeit schien also reif für neue Wege in der Schadenregulierung der Erstversicherer.
Die klassische Schadenregulierung bei der Kfz-Versicherung lief bis dato häufig wie folgt ab: Abwarten, ob der Geschädigte und sein Anwalt sich melden und wie konkret der Schaden beziffert bzw. wie durchsetzungsstark und sattelfest die Forderung erhoben wird. Dann wurde verhandelt und reguliert – bis lange nach dem eigentlichen Schadenereignis. Die Unterstützung des Geschädigten überließ die private Versicherungswirtschaft in der Zwischenzeit der Sozialversicherung. So kümmerte sich die Krankenkasse um die medizinische Behandlung sowie die Krankengeldzahlung, während sich die Rentenversicherung und das Arbeitsamt um die berufliche Wiedereingliederung sorgten.

Neue Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen dieser Regulierungsstrategie hatten sich jedoch stark verändert. Die deutsche Wiedervereinigung sowie die sich daran anschließende hohe Arbeitslosigkeit und deren Kosten strapazierten die Sozialversicherungssysteme und deren Mitarbeiter. Zeit für die individuelle Unterstützung des Einzelnen stand kaum noch zur Verfügung. Parallel rutschte die berufliche Wiedereingliederung in eine Umschulungs- und Fortbildungsmaschinerie ab. Viele eingeleitete Maßnahmen wurden abgebrochen oder waren nach erfolgreichem Abschluss ein Tor zur Arbeitslosigkeit, weil stellenweise am Markt vorbei ausgebildet wurde. Mehr als fünf Millionen Arbeitslose und viele Frühverrentungen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bildeten damals den sozialen Rahmen.
Zwar sank in den 1990er-Jahren die Zahl der Verkehrstoten, die Summe der Unfälle mit Personenschaden blieb jedoch auf einem hohen Niveau, vor allem in Hinblick auf Schwer- und Schwerstverletzte. Der Grund hierfür lag auf der Hand: Die Rettungskette bei Unfällen verbesserte sich, Schutzmaßnahmen für die Insassen nahmen zu und verhinderten so Todesfälle. Gleichzeitig führten diese aber zu mehr Schwerstverletzten, wie spätere Untersuchungen bestätigten. In der Folgezeit stieg die Zahl offener Fälle stark an und so mancher Leistungsfall zog sich über Jahre hin. Abfindungen waren wegen der ungewissen Einkommensentwicklung schwerer möglich. Die neue Pflegeversicherung trug ihren Teil dazu bei, dass die Forderungen bei Fällen…