Erschienen in Ausgabe 10-2016Köpfe & Positionen

Nicht jammern, zusammen innovativ sein.

Zu Titelreport: „Strukturwandel“, .

Von Markus EnglishVersicherungswirtschaft

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Sind die hohen Industrierisiken für Versicherer nicht mehr zu stemmen? Müssen Industrieversicherer im hohen Wettbewerbsdruck innovativer werden? Die Großindustrie, insbesondere die nach deutschem oder amerikanischem Muster mit Super-Konzernen, operiert innerhalb eines globalen Marktes mit einer Vielzahl von unbekannten Risiken. Die so genannte „Thailand-Flut“ im Jahre 2011 hat dies eindrucksvoll vorgeführt, als kleine, aber hochspezialisierte Zulieferbetriebe der Chip- und der Autoindustrie unter Wasser standen. Es kam zu Produktionsausfällen weltweit. Der Ausfall von Elektronik- und Computersteuerungen für moderne Fahrzeuge traf die Autoindustrie gleich zweifach. Man muss sich in Erinnerung rufen: Dies war keine echte Naturkatas­trophe, sie war von Menschen verursacht. Denn die Behörden mussten entscheiden, ob ein großes Stadtgebiet mit seinen (nicht versicherten) Bewohnern überschwemmt wird oder ein Industriegebiet, zu dem man den Zugang schnell sperren kann – und welches in Teilen versichert ist.
Das Beispiel macht zweierlei klar: Zum einen, dass in einer vollvernetzten Wertschöpfungskette der Ausfall eines einzigen Schlüsselteiles zu einem ungeahnt großen wirtschaftlichen Schaden führen kann. Zum anderen wird deutlich, dass aufgrund der Entscheidungen von Behörden und Gerichten – im Zweifel gegen den Versicherer und zugunsten der Staatskasse– diese Risiken nicht mehr mit den alten Methoden erfasst, quantifiziert und gesteuert werden können. Hinzu kommt ein Klumpenrisiko, welches auch die stärksten Industrieversicherer und Rückversicherer in die Knie zwingt.
Aber diese Risiken sind nun mal da! Sie sind neuartig, komplex und sie nehmen zu. Verständlich, dass sich jedes Industrieunternehmen immer auch überlegt, sein Risiko durch Versicherung zu minimieren. Industrieversicherer haben darauf einzugehen, wenn sie ihre bisherige Relevanz behalten möchten. Und hierbei spielt das Schlagwort „Innovation“ eine Rolle. Neue Risiken erfordern natürlich neue Versicherungslösungen. Diese können vom Versicherer evolutionär sein, selten revolutionär – am Ende aber innovativ. Wie festgestellt, ist der Ertragsausfall aufgrund eines unerwartet auftetenden Risikos eine größere finanzielle Belastung für den Industriebetrieb als der reine Sachschaden. Ertragsausfalldeckungen sind nun natürlich nicht neu. Kombiniert mit dem Risiko einer Lieferkettenunterbrechung oder auch Reputation sind es dann doch neue Produkte.
„Der Versicherer, welcher innovativ ist, muss zum Arzt“, könnte…