Erschienen in Ausgabe 10-2016Köpfe & Positionen

Zur Debatte: Fixpunkt Mensch!?

Rückbesinnung auf den Versicherungsgedanken kann Zukunft gewährleisten

Von Helmut PoschVersicherungswirtschaft

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Zur Debatte: Fixpunkt Mensch!?

Rückbesinnung auf den Versicherungsgedanken kann Zukunft gewährleisten

Mit Interesse habe ich den Beitrag „Zukunftsdenken als Wertmaßstab“ in der Juniausgabe der Versicherungswirtschaft gelesen. Die Herleitung des Bedarfs an Messgrößen und Skalen von Goethes Faust, mit dem Ziel „Werte“ bemessen zu können, ist sprechend. Der Bogen zu Fitch, Moody’s und S&P als bestimmende „Werte-Agenturen“ führt uns vor Augen, dass im Status Quo des wirtschaftlichen Miteinanders die „Vertrauenswürdigkeit“ dort vorherrschen darf und soll, wo die monetäre Profitwahrscheinlichkeit über dem erwarteten Durchschnitt, besser im obersten Drittel liegt.
Diesen Hintergrund vor Augen wird klar, dass eine in vielen Bereichen geführte gesellschaftliche Debatte über Werte ein großes Konfliktpotenzial beinhalten und eine gefährliche Richtung nehmen kann. Sind die grundlegenden und leitenden Werte des Versicherungsgedankens aus Sicht des Versicherten und aus Sicht der Versicherer noch in Übereinstimmung? Was ist das Wertesystem, an dem sich der Gestalter eines Versicherungsproduktes orientiert und was ist die kundenseitige Erwartungshaltung an eine Versicherung? Aufgrund der maßgeblichen „Steuerung“ durch die bekannten „wertorientierten Modelle“ des Risikomanagements wird die Versicherungstechnik sich in immer weiter verfeinerten Zielgruppen mit Pricingmodellen genau jene Kunden herausfiltern, bei denen entsprechend eingeforderte Profite eine hohe Ergebniswahrscheinlichkeit haben. Die Produkte werden – jedes für sich – zuvorderst vom quantitativen Ergebnis für das Unternehmen aus betrachtet. Das wirklich vertrauensbildende Prinzip der Solidarität der Kollektive mit dem besonderen Wert einer kooperativen Absicherung von Risiken, als leitender Versicherungsgedanke zur Gestaltung fairer Policen aus Versichertensicht, kann dabei verloren gehen. Die Menschen spüren intuitiv, dass das mittlerweile vordergründig in Verwendung stehende Wording in Bezug auf „Werte“ in der gesellschaftlichen Debatte nicht mehr stimmig ist.
Die Menschen verbinden in der europäischen Kulturtradition mit dem Begriff „Werte“ weit Wichtigeres als die monetäre Bewertung von Profit. Viele Menschen verknüpfen in ihrem Denken und Handeln mit dem Begriff der „Werte“ Empfindungen, die Sicherheit, Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit vermitteln. Dahinter stehen Wertedimensionen, die vor 60 Jahren von Robert S. Hartman wissenschaftlich aufgearbeitet wurden. Seine Erkenntnisse stellen in…