Erschienen in Ausgabe 10-2016Köpfe & Positionen

Industrieversicherer suchen den Anschluss

Branche schwört sich ein: Aus der digitalen Not soll eine Tugend werden

Von Alexander KasparVersicherungswirtschaft

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Politisch gewollter Niedrigzins und starker Preisverfall einerseits, digital getriebener Innovationsdruck und Umstrukturierungen andererseits setzen deutsche Industrieversicherer gleich von mehreren Seiten unter Druck. Dass „Industrieversicherung“ ein schwieriger Markt bleibt, wurde auf dem elften Branchensymposium des neuen Gesamtverbandes der Versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) in München deutlich.
Auf der mit rund 700 Teilnehmern größten deutschsprachigen Versammlung der Industrieversicherer treffen Einkäufer auf Anbieter, Juristen auf Vorstände, Produktentwickler auf Vertriebsexperten. Auch wenn nach außen hin Einigkeit demonstriert wurde, hinter den Kulissen rumort es im Gebälk: Die Kunden aus der Industrie befürchten, dass ihre Versicherer den digitalen Anschluss verpassen. In seinem Eröffnungsvortrag legte der frisch gekührte Axa-Chef Thomas Buberl den Finger direkt in die Wunde: „Viele haben verstanden, dass Digitalisierung uns verändert. Viele haben erste Gehversuche gemacht, aber was das genau für die Industrieversicherer bedeutet, ist unklar.“ Passend zum Motto der Veranstaltung „Gemeinsam stark in die Zukunft“ muss sich die Branche zusammen auf einen „neuen großen Weg“ begeben.
Wie diese Zukunft aussieht und welche Wege dahin führen, darüber gab es auf der Leistungsschau der Versicherungswirtschaft unterschiedliche Auffassungen. FM Global Deutschland-Chef Achim Hillgraf sagte gegenüber der Versicherungswirtschaft mit Blick auf die industrielle Sachversicherung: „Erstens gibt es nach wie vor ein Überangebot an Versicherungskapazitäten, mit Auswirkung auf ein zunehmend wettbewerbsintensives Umfeld. Zweitens ist die Schadenssituation der am Markt aktiven Versicherer im Durchschnitt nicht unbedingt positiv, d.h. die Schäden überwiegen in den letzten Jahren die Einnahmen. Drittens haben wir, bedingt durch die dortige Situation, nicht mehr wie früher die Möglichkeit, operative Verluste durch Gewinne am Finanzmarkt auszugleichen.“ Quersubventionen wird es langfristig nicht mehr geben, so Hillgraf, daher ist ab sofort jeder Marktteilnehmer gezwungen, seine Haftpflicht oder Sachver­sicherung profitabel zu gestalten.
Dass Industrieversicherer Wachstum und Innovation bei ihren Kunden überhaupt erst ermöglichen, davon ist Stefan Sigulla, Vorstandsmitglied bei HDI Global, überzeugt. Nicht beteiligen wollte sich Sigulla an Einschätzungen, ob der Markt soft oder verhärtet ist, denn „für mich ist entscheidend, dass wir uns das Exposure der Kunden neu…