Erschienen in Ausgabe 10-2016Schlaglicht

„Viele Versicherungen sind Pull-Produkte“

Interhyp-Gründer Wolsdorf und Haselsteiner über rentable Investments in Online-Versicherungsordner

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Interhyp ging als erstes Internet-Unternehmen nach dem Dotcom-Crash an die Börse und ist zum größten Kreditvermittler für Immobilienfinanzierungen in Deutschland aufgestiegen. Welchen Rat können Sie Neugründern geben?

Marcus Wolsdorf: Das Erfolgsrezept von Interhyp war die komplette Fokussierung auf das Thema Baufinanzierung, ein Multikanalansatz mit Internet-Kundengewinnung und persönlicher Kundenbetreuung durch Experten. Grundsätzlich gelten für Fintechs die gleichen Erfolgsfaktoren wie für andere Start-ups: Erstens muss die Geschäftsidee einen großen Markt bedienen und eine echte Problemlösung für die Kunden sein. Zweitens müssen die Gründer ein starkes Team aufbauen und jeden Tag an der Umsetzung des Konzeptes arbeiten. Drittens: Die Finanzierung muss gesichert werden, damit die Idee die Marktreife erlebt – denn die meisten Themen brauchen länger und brauchen mehr Cash als anfangs gedacht. Da Fintechs in einem regulierten Umfeld agieren und das Vertrauen gerade in Finanzfragen bei Kunden oft nur über längere Zeit aufgebaut werden kann, brauchen Fintechs länger und haben daher auch meist höheren Cashbedarf, bis Einnahmen erzielt werden. Dazu braucht man Investoren mit tiefen Taschen und wirklicher Branchenerfahrung.

Sie selbst haben in den digitalen Versicherungsmakler Getsafe investiert. Warum?

Robert Haselsteiner: Getsafe verfolgt einen Ansatz, der aus unserer Sicht zum digitalen Kunden von heute passt. In einem digitalen Ordner verwalte ich meine Verträge und bin jederzeit handlungsfähig, um auf die besten Angebote zu reagieren. Ein digitaler Makler, der dem Kunden schnelle und transparente Prozesse ermöglichen wird. Das brauchen und wollen immer mehr Nutzer, denen Versicherungsprodukte grundsätzlich zu komplex und intransparent sind. Getsafe ist aber noch in einer frühen Phase – das muss man auch als Investor langfristig sehen.

Nur wenige Start-ups wie Paypal haben die Dotcom-Phase überlebt. Wie bewerten Sie die derzeit hohen Investitionssummen in zahlreiche Fintechs?

Marcus Wolsdorf: Wir finden, dass teilweise zu unkritisch investiert wird und inzwischen in der Tat ein Hype um Fintechs entstanden ist und auch viele langweilige Geschäftsmodelle sich als Fintech anmalen um interessant zu wirken.

Mit ihren Investitionen rangeln die vielen Fintechs und Insurtechs um die Führungsposition am Markt. Der Größte wird am Ende das Geschäft machen. Warum neigt das Internetgeschäft eigentlich so stark zu Monopolen?

Robert Haselsteiner: Größe…