Erschienen in Ausgabe 10-2016Schlaglicht

Angriff der Jungen Wilden

Insurtechs treiben die Digitalisierung voran und setzen Maklern mächtig zu – den Versicherern spielt das in die Karten

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Es klingt so verlockend: Keine verstaubten Filialen, kein Außendienst oder sonstige Absatzzwischenstufen – nur ein zentralisiertes Vertriebssystem über technologisierte Kommunikationskanäle. Für Finanzanbieter fällt ein immenser Kostenblock weg, Kunden freuen sich über preisgünstige Produkte. Zu schön, um wahr zu sein? Die Idee hinter den Direktfinanzierern wird mit jedem Technologiesprung aufs Neue entfacht. Telefon-und Onlinebanking lösten die Gründungswelle der Direktbanken und Direktversicherer in den 1990er-Jahren aus, in der Dotcom-Phase folgten die Discount Broker. Etabliert haben sich nur wenige: Comdirect oder Europas größte Direktbank ING-Diba, die bereits 1965 mit Briefbanking anfing. Bei der Online-Baufinanzierung die Interhyp und Dr. Klein. Im Versicherungswesen Cosmos Direkt, der Makler Check24 und Direktversicherer wie Ergo Direkt oder Allsecur. Nach der durchmischten Erfahrung im Direktvertrieb soll bei den Insurtechs alles anders werden. „Ich sehe weder in Deutschland noch auf anderen Märkten eine Parallele zur Dotcom-Blase. Die Insurtech-Szene ist ein zartes Pflänzchen, dass heranwachsen und ähnlich wie Fintechs die etablierten Player auf diesem Markt herausfordern wird“, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverband Deutsche Startups.

Viel Geld, wenig Innovationen

Außerdem würden Fintechs zumindest unternehmenerischen Mut an den Tag legen, sagen sie. In Deutschland werde das jedoch traditionell kritisch gesehen. Mit viel Wagniskapital stellen sie die herrschende Ordnung der Versichererwelt in Frage. Das Finleap-Unternehmen Clark sammelte zuletzt 13,2 Mio. Euro ein. Der deutsch-schweizerische Online-Makler Financefox bekam 28 Mio. Euro von Target Global und Horizons Ventures. Letzteres finanziert auch den Peer-to-peer-Anbieter Friendsurance. Weltweit wurden Insurtechs im vergangenen Jahr mit 2,7 Mrd. US-Dollar Risikokapital gefüttert.
Eine Finanzspritze ist jedoch kein Umsatz – und schon gar kein Gewinn. „In der Tat ist ein Hype entstanden. Es wird zu unkritisch in langweilige Geschäftsmodelle investiert“, konstatieren die Interhyp-Gründer Marcus Wolsdorf und Robert Haselsteiner (siehe Interview S. 20). Das viele Geld ist allerdings nötig, denn die kostenintensive Kundengewinnung ist seit jeher ein Problem bei Direktfinanzierern. Die Preisvorteile durch eingesparte Vermittlerentgelte halten sich angesichts teurer Werbekampagnen in Grenzen. Nur selten, wie im Falle von Check24, fruchtet ein TV- und Internetspot mit tanzenden Normalos zu…