Erschienen in Ausgabe 10-2016Trends & Innovationen

Digitaler „Datenstriptease“

Die Erhebung von Kundendaten darf Solidarprinzip der Versicherungen nicht verletzen

Von Michael H. HeinzVersicherungswirtschaft

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Unsere lange Verbandsgeschichte hat uns gelehrt, die Zeitläufe genau zu beobachten und die Zeichen der Zeit früh zu erkennen. Als größter Vermittlerverband Deutschlands vertritt der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) die Interessen von rund 40.000 Versicherungs- und Bausparkaufleuten, darunter 12.000 Individualmitglieder. In ihm sind Exklusivvertreter, Versicherungsmakler, Mehrfachvertreter sowie Bausparkaufleute vereinigt. Der BVK gibt diesem Berufsstand seit seiner Gründung 1901 die notwendige Orientierung, um sein Fortbestehen zu sichern. So auch beim Megatrend Digitalisierung.
Durch die Weiterentwicklung der IT-Technologien, insbesondere durch die Verfeinerung von Algorithmen und ihre Verknüpfung sowie die fast unbegrenzte Speicherung von Risikoprofilen in Datenbanken, verändert sich die Tarifwelt. Ausdruck dafür ist das Aufkommen von Kfz-Telematiktarifen, bei denen die Prämiengestaltung durch eine allgegenwärtige Vermessung des individuellen Fahrstils mithilfe von GPS-Positionsdaten und Kartendiensten erfolgt.

Schöne neue Tariflandschaft?

Was sich bei der Kfz-Versicherung gerade etabliert, beobachten wir in Anfängen bei Personenversicherungen, insbesondere bei privaten Krankenversicherungen: Hier erfolgen, zwar erst zaghaft durch einige ausländische Versicherer, so genannte Lifelogging-Tarife für eine gesundheitsorientierte Lebensweise mit Hilfe von mit Smartphones gekoppelten Activity Trackern. Auch hierbei erfolgt eine Koppelung von Daten mit Chancen: Wer seine Körper- und Gesundheitsdaten der Versicherung offenbart, dem winken Prämienvorteile.
Aber bei dieser Versicherungssparte ist die Protokollierung des Verbraucherver­haltens um vieles persönlicher und allum­fassender. Einer noch nie gekannten individuellen Selbstvermessung der Versicherungskunden würde durch diese neue Tariflandschaft Tür und Tor geöffnet, mit unabsehbaren sozialen und normativen Folgen.1 Das tangiert nicht nur datenschutzrechtliche Aspekte, sondern – und vor dem Hintergrund weltweiter zunehmender Cyberkriminalität – wichtige Fragen der Datensicherheit.
Trotz dieser tief ins persönliche Leben gehenden Datenerfassung hat sich die Einstellung zu Lifelogging-Tarifen schnell gewandelt, wie eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Dr. Grieger & Cie vom Juni 2016 verdeutlichte: Demnach würden 54 Prozent der Bevölkerung selbsterhobene Daten zum Bewegungsverhalten an ihre Krankenkasse übermitteln. Und 44 Prozent würden der Weitergabe sogar an den…