Erschienen in Ausgabe 10-2016Unternehmen & Management

Vom Regen fortgespült

Deutsche unterschätzen Elementarrisiken – GDV wendet sich gegen Pflichtversicherung

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Im Frühsommer 2016 brach der Starkregen vielerorts alle Niederschlagsrekorde. Die extreme Wetterlage trieb nicht nur Landwirten, sondern auch den deutschen Versicherern Sorgenfalten ins Gesicht. Grund genug für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) das Thema Stark­regen bei seiner diesjährigen Naturgefahrenkonferenz am 14. September in Berlin in den Fokus zu rücken. Dabei stellten GDV und Deutscher Wetterdienst (DWD) ihr gemeinsames Forschungsprojekt zum Thema vor.
Zwar werden endgültige Ergebnisse erst Mitte 2018 erwartet, doch zeichnet sich laut GDV-Präsident Alexander Erdland und DWD-Vizepräsident Paul Becker bereits ab, dass Extremereignisse auf dem Vormarsch sind und es praktisch keine schadenfreien Zonen in Deutschland gibt. Nach Abschluss der Datenerhebung und -auswertung wird es unter anderem möglich sein, einen postleitzahlgenauen Starkregen-Schadenatlas zu erstellen, aus dem sich besonders vom Stark­regen gefährdete Gebiete herauskristallisieren werden.
Dadurch werde sich die Kalkulation für Elementarschadenpolicen weiter differenzieren, hofft Erdland. Sogar eine gesonderte Betrachtung unterschiedlicher Elementarrisiken hält er für denkbar. Zudem regt er an, die Bezeichnung für diese Versicherungsart zu ändern. Sie sei doch sehr versicherungstechnisch und würde auch deshalb von vielen Hauseigentümern nicht verstanden und daher nicht ernst genommen. Denn: Starkregen ist nicht nur ein ernstes, sondern oft unterschätztes Problem für Hausbesitzer. Innerhalb von zwei Wochen verursachten schwere Unwetter im Frühsommer dieses Jahres in mehreren Bundesländern Schäden in Höhe von insgesamt 1,2 Mrd. Euro. Im gesamten Jahr 2015 waren es knapp zwei Mrd. Euro für Sturm, Hagel und Stark­regen. Betroffen sind vor allem Keller und Öltanks. „Es gehört daher beispielsweise zu den Pflichten von Hausbesitzern, keine wertvollen Gegenstände im Keller zu lagern“, erklärt Erdland. Auch Ölbehälter gehören nicht in Keller, weil auslaufendes Öl nicht nur den Boden kontaminiert, sondern in Hauswände eindringt, was nicht selten einen Abriss notwendig macht. In gefährdeten Gebieten gehören solche Auflagen zu den Voraussetzungen, um angemessenen Versicherungsschutz zu bekommen.

Mehr Schäden durch Pflichtpolicen?

Doch allein durch Vorsorge der Hausbesitzer wird das Problem nicht gelöst. „Das Hochwasserschutzgesetz II muss noch mehr Klarheit darüber schaffen, was beispielsweise hochwasserangepasstes Bauen ist, damit das Problem von vornherein ausgeschaltet…