Erschienen in Ausgabe 10-2016Unternehmen & Management

Eine Lebensversicherung für alle Fälle

Universal Life ist in vielen Ländern das Brot-und-Butter-Produkt der Lebensversicherer – das hat gute Gründe

Von Tobias TheisVersicherungswirtschaft

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Das Lebensversicherungsgeschäft steht vor einem signifikanten Wandel. Die anhaltende geldpolitische Niedrigzinsstrategie der Europäischen Zentralbank geht mit sinkenden Renditen an Anleihenmärkten einher, was die Branche vor die Herausforderung stellt, den durchschnittlichen Garantiezins zu erwirtschaften.
Durch die Bildung von Zinszusatzreserven zur Absicherung der zugesagten Zinsgarantie steht weniger Kapital zur Ausschüttung als Überschussbeteiligung zur Verfügung. Dies führt zu einer kontinuierlich abnehmenden Überschussbeteiligung in den letzten Jahren, was die Attraktivität klassischer Rentenversicherungsprodukte in Frage stellt.
Auch zahlreiche regulatorische Anforderungen bauen weiteren Druck auf die Branche auf. Solvency II sorgt dafür, dass Lebensversicherer durch ihre langfristigen Zinsgarantien mehr Eigenkapital vorhalten müssen, um eingegangene Risiken abzusichern. Zudem muss für Kapitalanlagen Kapital zur Absicherung zurückgelegt werden. Mehr Eigenkapital vorzuhalten bedeutet, dass die Rentabilität bei gleichbleibenden Erträgen sinkt.

Produkt vereint Kapitalansammlung und biometrische Absicherung

Doch auch weitere regulatorische und rechtliche Anforderungen1 stellen eine hohe Kostenbelastung für die Versicherungsbranche dar – Geld, das unter anderen Umständen zur Anlage am Kapitalmarkt oder zur Ausschüttung an die Versicherungsnehmer genutzt werden könnte. Die ersten großen Lebensversicherer sind aus dem klassischen Geschäft mit lebenslangen Garantien ausgestiegen.2 Unter Niedrigzins und Solvency II rentieren sich klassische Policen nicht mehr für Versicherer und Kunden wünschen sich rentablere Altersvorsorgeprodukte.
Ab dem 1. Januar 2017 sinkt der Höchstrechnungszins auf 0,9 Prozent3, was für die Assekuranzen die Garantieerzeugung erschwert. Die deutsche Lebensversicherungsbranche gerät wiederholt in negative Schlagzeilen und wird von Verbraucherschützern kritisiert.4 Für die Branche gilt es, Produkte zu entwickeln, die zum einen maximale Kostentransparenz sicherstellen und zum anderen die Kundenbedürfnisse befriedigen. Zudem gelten klassische Rentenversicherungen als weitgehend unflexibel. In den USA wurden in den 1980er Jahren sogenannte Universal Life Versicherungen eingeführt, um der Nachfrage nach flexiblen Produkten mit hoher Transparenz nachzukommen. Diese in Deutschland bisher wenig verbreitete Police könnte einen Lösungsweg darstellen, um den Markt mit innovativen Produkten zu bedienen. Im Folgenden wird die amerikanische Universal…