Erschienen in Ausgabe 10-2016Unternehmen & Management

Praxis überholt Theorie

Mit jeder Regulierungswelle entstehen neue Studiengänge. Ob dual oder an der Uni – Unternehmen klagen über Wissenslücken

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Makler werden zu Fintechs, Underwriter zu Data Scientists – die Anforderungen an High-Potentials steigen. Im Zuge internationalisierter Märkte, fortschreitender Regulierung und digitaler Vertriebswege erweitern sich die Berufsbilder im Versicherungssektor. Wie reagieren Universitäten und versicherungswissenschaftliche Institute als Schmiede künftiger Risikomanager darauf? Dieser Frage ist die Versicherungswirtschaft zum Semesterbeginn vor Ort nachgegangen.
Um es vorweg zu nehmen: Die Lehrstühle, die einen oder mehrere versicherungswissenschaftliche Studiengänge anbieten, werden von Bewerbern nicht überrannt. Zumindest nicht von Bewerbern, die sich die Unis bzw. bei dualen Studiengängen die Unternehmen wünschen. Zwar ist die Bewerberlage laut Hubert Bornhorn, Studiengangsleiter des dualen Bachelor-Studiums Versicherungswesen der FH Dortmund, von der Quantität her gut. Einige Unternehmen berichten, dass es mehr Bewerbungen fürs Studium als für die klassische Berufsausbildung gibt. Doch mit der Qualität hapert es. „Die auswählenden Unternehmen legen großen Wert auf Flexibilität und Persönlichkeit der Bewerber. Bei den Noten haben die Fächer Deutsch und Mathematik einen hohen Stellenwert.“ Die berechtigten Erwartungen der Unternehmen, fügt Bornhorn diplomatisch an, werden hier leider nicht selten untertroffen.“ Anders gesagt: Die Abiturienten haben zum Teil dramatische Lücken in der Allgemeinbildung.

Versicherer bilden obsolete Berufe aus

Daher werde die Aufnahmekapazität des Dortmunder Studiengangs von 25 bis 30 Studierenden derzeit nicht voll ausgeschöpft. Doch das liege nicht nur an den Abiturienten, wie Bornhorn feststellt. Den Unternehmen würde es häufig an dem Mut fehlen, in einen dual Studierenden zu investieren, weil Kosten und Risiken größer seien als bei einem Azubi. Er vermisst das Bekenntnis zum dualen Studium, ein Zögern an der falschen Stelle könnte fatale und unumkehrbare unternehmerische Folgen haben. „So diskutiert die Branche beispielsweise intensiv die Digitalisierung und den Wegfall einfacher, durch Automatisierung ersetzbarer Sachbearbeiterstellen, bildet aber unverändert dafür aus. Das erscheint unlogisch.“ Stattdessen beobachtet er einen steigenden Bedarf an akademisch qualifiziertem Nachwuchs im angestellten Außendienst, in Agenturbetrieben und Maklerunternehmen. Die Nachfrage reiche von kleinen Vermittlerunternehmen, die sich um die Nachfolge sorgen, bis hin zu großen Direktionsbetrieben, die den unternehmerischen Kern der…