Erschienen in Ausgabe 10-2016Märkte & Vertrieb

„Für neue Produkte und Potenziale müssen wir weg von der Spartendenke“

Barmenia-Chef Andreas Eurich über Existenzsorgen der PKV, neue Wachstumsfelder und digitale Krankenversicherer

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Die Bundestagswahlen stehen an. Gibt es wieder eine Zitterpartie für die PKV?

Andreas Eurich: Eine Zitterpartie kann man zumindest vom Geschäftsverlauf nicht erkennen – ganz im Gegenteil. Wir wachsen gegenüber dem Vorjahr in der Vollversicherung spürbar. Man hört aber, dass die Bürgerversicherung wieder auf die Agenda kommen könnte. Bei den letzten Bundestagswahlen haben wir das deutlich zu spüren bekommen.

Über 80 Prozent Ihres Geschäfts ist Krankenversicherung. Wie gehen Sie mit diesem Wechselbad der Gefühle um Ihre Existenz um?

In der Tat sind wir stark in der Personenversicherung unterwegs und damit von den politischen Entwicklungen abhängig. Das gilt für Kranken, aber auch für Leben, wenn man an das Lebensversicherungsreformgesetz denkt. Ein Wechselbad der Gefühle gibt es da immer wieder. Das ist auch mit ein Grund dafür, dass wir uns strategisch stärker in Komposit positionieren. Die Barmenia Allgemeine ist ein kleiner Versicherer mit über 130 Mio. Euro Prämie, der in den letzten vier, fünf Jahren dynamisch gewachsen ist.

Wofür steht die Barmenia, wo will sie hin?

Wir sind vom Grundsatz her ein Versicherer, der sich durch Merkmale wie Innovationskraft, Qualität und Service auszeichnet. Unsere Unternehmensgruppe ist stark auf das breite Privatkundengeschäft fokussiert. Mit dieser Strategie sind wir in den letzten Jahren gut gefahren. Daran halten wir auf jeden Fall fest. Wir möchten uns durch Wachstum in Komposit noch breiter aufstellen. Im Neugeschäft stieg der Kompositanteil von unter drei Prozent auf derzeit 25 Prozent.

Ein Verkauf der Lebensversicherung ist also bei Ihnen kein Thema?

Wir denken nicht darüber nach, das Geschäftsfeld Leben einzustellen.

... auch nicht über den Verkauf des klassischen Garantie-Bestandes?

Für unser Haus ist das keine Strategie, weil wir stark auf das breite Privatkundengeschäft und das mittelständische Geschäft fokussiert sind. Bei dieser Aufstellung ist es notwendig, dass man alle Sparten vorhält. Zumal ich fest davon überzeugt bin, dass die Altersvorsorge auch in Zukunft hervorragende Potenziale hat, wenn man sich die Entwicklung der gesetzlichen Renten und den schwierigen Aufbau von Vorsorgevermögen bei niedrigen Zinsen anschaut.

Ihr Lebensversicherer ist vergleichsweise klein, kann er denn die Dinge so vorantreiben, wie er für ein erfolgreiches Bestehen müsste?

In jüngerer Zeit entwickelt sich die Barmenia Leben sehr dynamisch. Das ist auf neue und Solvency-II-freundliche Produkte wie die…