Erschienen in Ausgabe 10-2016Unternehmen & Management

Mehr Freiheiten bei der Anlage

Lebensversicherer können ihr Sicherungsvermögen bei Fondspolicen gezielt einbeziehen

Von Daniel Weimann und Florian WolfVersicherungswirtschaft

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In der Produktlandschaft der Lebensversicherungen vollzieht sich derzeit ein Paradigmenwechsel. Katalysator ist primär das extreme Kapitalmarktumfeld mit seinen Niedrig- oder gar Negativzinsen. So rentiert bereits das Gros aller ausstehenden Anleihen der Bundesrepublik Deutschland aktuell negativ. Papiere der europäischen Nachbarstaaten bieten kaum Ausweichmöglichkeiten, liegen doch auch deren Renditen oftmals im negativen Bereich. Und auch die bereits mehrfach vollzogene Absenkung des Höchstrechnungszinses, welche erneut für 2017 beschlossen wurde, sorgt nicht wirklich für Erleichterung. Sollte sich die Entwicklung der letzten Jahre fortsetzen, ist eine vollständige Abschaffung des Höchstrechnungszinses nur eine Frage der Zeit. Die erforderliche Bildung der Zinszusatzreserve für bereits geschriebenes Geschäft reduziert den Spielraum für Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer zusätzlich, auch wenn die ökonomische Sinnhaftigkeit einer Zinszusatzreserve grundsätzlich nicht anzuzweifeln ist. Neben dem Kapitalmarktumfeld selbst sind es jedoch etliche weitere Faktoren, die es Versicherern erschweren, im angestammten klassischen Geschäft erfolgreich ihren Beitrag zur Altersvorsorge der Bevölkerung zu leisten. Da die Garantie eines bestimmten Anlageerfolges im Neugeschäft fast nicht mehr gegeben werden kann, verliert die klassische kapitalbildende Renten- bzw. Lebensversicherung ihr bislang stärkstes Verkaufsargument. Verstärkt wird dieser Prozess auch durch das Aufsichtsregime Solvency II, das eine deutlich geringere Eigenkapitalbelastung für Anlagen für Rechnung und Risiko des Versicherungsnehmers, z.B. in Form fondsgebundener Tarife, vorsieht. Diese Entwicklung bietet jedoch die Chance, die Attraktivität versicherungsbasierter Vorsorgeprodukte langfristig durch eine potentiell bessere Wertentwicklung zu erhöhen.
Als Konsequenz setzen Versicherungen verstärkt auf Produkte mit alternativer oder ganz ohne Garantie. Gemeinsam ist den alternativen Garantieprodukten, welche als Indexpolicen, neue Klassik, deutsche Variable Annuities oder Hybridprodukte bekannt sind, dass die Garantie meist nur noch endfällig gewährt wird. Hierdurch wird zwar den vorgeschriebenen Bedingungen im Bereich der staatlich geförderten und der betrieblichen Altersvorsorge Rechnung getragen. Dadurch ist jedoch eine für den Laien schwer durchschaubare Produktlandschaft entstanden. Viele dieser Ansätze sind zudem weiterhin vom Rechnungszins und von Überschüssen abhängig, welche weiter…