Erschienen in Ausgabe 10-2016Märkte & Vertrieb

Terrorwaffe auf vier Rädern

Automobile als Risiko-Neuland für Versicherer

Von Manfred TewsVersicherungswirtschaft

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Sie sind im öffentlichen Alltagsleben allgegenwärtig. Mithin ein Grund, warum Amokfahrten oder Terroranschläge mit Fahrzeugen von Sicherheitskräften nur schwer zu verhindern sind. Islamistische Terrorgruppen rufen seit Jahren dazu auf, Autos als Todeswaffe einzusetzen. 84 Menschen starben durch einen Lkw am französischen Nationalfeiertag in Nizza – die bislang höchste Opferzahl bei einer solchen Attacke. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Assekuranz. Nach der Amokfahrt von Graz am 20. Juni 2015 machte die Schlagzeile „Sieben Millionen Euro für Grazer Amok-Opfer“ auch deutsche Kraftfahrthaftpflicht-Versicherer (KH) hellhörig. Gezahlt wird diese Summe von dem österreichischen Kfz-Versicherer, bei dem der Wagen des Täters haftpflichtversichert war. Es drängt sich die Frage auf, ob Versicherer die möglicherweise daraus resultierenden immensen Schäden tragen müssen.

Neue Risikobewertung erforderlich

Herkömmliche Unterscheidungen zwischen Terror und Amok verschwimmen heute. Amok ist ein Begriff, der aus der Psychologie stammt und einen psychischen Ausnahmezustand mit blindwütigem zerstörerischem Verhalten einer Person bezeichnet, die plötzlich und willkürlich andere angreift und verletzt oder tötet. Beim Terrorismus ist die ausgeübte Gewalt hingegen politisch, religiös oder wirtschaftlich motiviert. Die Einordnung der Taten als Terror oder Amok ist in den Ländern relevant, in denen es wie in Frankreich einen Garantiefonds für die Opfer terroristischer Anschläge (FGTI – Fonds de garantie des victimes des actes de terrorisme et d’autre infractions) gibt oder – wie in Spanien – der Staat die Entschädigung übernimmt.
Nach den Anschlägen von Nizza hat der FGTI seine Eintrittspflicht zeitnah bestätigt – mit der Folge, dass der KH-Versicherer des gemieteten französischen Lkw entlastet ist (auch bei einem ausländischen Fahrzeug würde der Terror-Fonds eintreten). In Deutschland hat man sich nicht für die Herauslösung des Terrorrisikos aus der Haftpflichtversicherung entschieden.
Bereits die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA machten deutlich, dass auch Terroranschläge versicherte Haftpflichtschäden auslösen können. Als Folge dieser Anschläge und aus Sorge vor versicherungstechnisch unkalkulierbaren Risiken führten die Versicherer in der Sachversicherung Terrorausschlüsse ein. Dort ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass durch ein Ereignis zahlreiche Risiken mit jeweils hohen Versicherungssummen getroffen werden.1 Für den Bereich der…