Erschienen in Ausgabe 10-2016Märkte & Vertrieb

Rechtsbeistand aus dem Automaten

Anonymität und 24/7-Beratung: Kunden greifen zunehmend auf Roboter-Anwälte zurück

Von Andreas HeinsenVersicherungswirtschaft

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Die Eigenkapitalanforderungen bei der Rechtsschutzsparte sind sehr hoch. Bei der Verwendung der Standardformeln unter Solvency II müssen die Vertriebs-, Verwaltungs- und insbesondere Schadenaufwände zukünftig deutlich sinken. Nur so lassen sich Wettbewerbsvorteile erzielen.Die Combined Ratio muss marktweit wieder deutlich unter die 100-Prozent-Grenze fallen, um die erhöhten Kapital- und Schadenreservebedarfe aufzubauen und auch nachhaltig erfüllen zu können.
Haupttreiber für die weiter zu entwickelnden Geschäftsmodelle im Rechtsschutz ist aber nicht die für die Unternehmen teure und teilweise lähmende Regulatorik, sondern die immer anspruchsvolleren und auf Convenience ausgerichteten Smartphone- und Internet-Kunden, denen über stetig verbesserte Online-Banking-Portale und Apps eine neue Welt der beraterlosen Finanzdienstleistungsservices schmackhaft gemacht wird. Und hier befinden wir uns erst am Beginn der Entwicklung, da ein rasantes Banken-Filialsterben von bis zu 50 Prozent bis 2020 prognostiziert wird. Auch für die heute 230.000 Versicherungsvermittler (2011: 263.000) trauen sich Beratungsunternehmen immer häufiger entsprechende (Schreckens-)Prognosen abzugeben. Eine Veränderungsgeschwindigkeit in der strategischen Marktbearbeitung und dem Kundenmanagement steht also vor der Tür, die sich viele Versicherer derzeit noch gar nicht vorstellen können oder wollen. Auch die Einführung des digitalen Rechtsverkehrs, der noch in 2016 startet, treibt die Versicherer zu neuen Geschäfts-, Prozess- und Servicemodellen. Rechtsschützer müssen sich zukünftig noch emphatischer und professioneller als 24/7-Rechtsdienstleister positionieren – mit oder vielleicht auch ohne Kostenschutz als Rechtsschutz-Assistance.

Entschädigung per Mausklick

Das Internet erzeugt auch auf der Anwaltsseite neue Märkte, teilweise werden diese auch von digitalaffinen Anwaltskanzleien erst neu geschaffen. Flightright.de ist für die Erstattung von Schadenersatz für Flugverspätungen ein bereits etabliertes Beispiel, macht es doch im Ergebnis einen lästigen Anwaltsbesuch und auch eine Rechtsschutzversicherung überflüssig. Dass sich der Betreiber des Portals als Inkassodienstleister eine sehr hohe Erfolgsprovision mit 25 Prozent einbehält, geht dann bei vielen Nutzern schon einmal unter. Aber die angebotene Lösung ist für den Kunden ganz easy und mit ein paar Klicks ist der Vorgang erledigt.
Auch bei den massenhaften Darlehenswiderrufen wegen falscher AGB-Wordings in den…