Erschienen in Ausgabe 10-2016Köpfe & Positionen

Hochwasserschutz ist grundsätzlich Ländersache.

Zu Forum & Meinung: „Einführung der Versicherungspflicht“, .

Von Christoph PaulsenVersicherungswirtschaft

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Die Debatte zur Einführung der Versicherungspflicht bei Überschwemmungsschäden geht regelmäßig am eigentlichen Problem, mangelhafter Hochwasserschutz und fehlendes Risikomanagement, vorbei.
Die öffentliche Verwaltung sieht überwiegend keine eigenständige Risikomanagementfunktion vor, die sich am ISO 31000-Standard oder dem Coso-Framework orientiert. Wenn überhaupt, erfolgt Risikomanagement im Rahmen der jeweiligen Ressorts nach nicht koordinierten Vorgaben. Begründet wird dies regelmäßig mit einem fehlenden Personalbudget. Ein teurer Trugschluss, zeigen doch die Schäden und die Diskussion um die Pflichtversicherung, wie hoch der Bedarf tatsächlich ist. Ein qualifizierter Risikomanager wäre in der Lage, die folgenden Probleme im Hochwasserschutz zu adressieren und mit den Stakeholdern auf eine Lösung hinzuwirken. Hochwasserschutz ist grundsätzlich Ländersache. Bei Überschwemmungsschäden ist daher zu hinterfragen, wie das zu Grunde liegende Schutzkonzept des Landes aussah und an welchen Stellen es warum versagt hat. Am Beispiel des Überschwemmungsrisikos an der Elbe, das ich in meiner Bachelor-Arbeit untersucht habe, wird deutlich, dass zwar Hochwasserschutzmaßnahmen identifiziert wurden. Diese kamen aber aufgrund verschiedener Meinungen, z.B. bezüglich einer angeblichen Machbarkeit, zustande. Dieser Bottom-up-Ansatzes kann aber keine Lösung darstellen, weil unabhängige Einzelmaßnahmen kein Gesamt­risikoniveau sicherstellen können.
Stattdessen ist ein Top-down-Ansatz nötig, der zunächst basierend auf den wissenschaftlichen Zukunftsszenarien definiert, welche Überschwemmungsschäden politisch nicht mehr vertretbar sind und welche toleriert werden sollen. Konkret könnte man erheben, wie viele Risiken mit welchem Schadenswert in Zürs 4 liegen und ob diese Risiken überhaupt und ggf. mit welchem wirtschaftlichen Aufwand auf Zürs 3 reduziert werden könnten. Oder man ermittelt, welche Kosten erforderlich wären, um einen Überschwemmungsschaden in den Zürs 1+2 Zonen zu 99,75% (400-jähriges Ereignis) zu verhindern.
Warum werden diese Kosten-Nutzen-Analysen nicht erhoben? Angesichts der Milliardenschäden durch Überschwemmungen könnte man doch ein paar Millionen für eine Sachverständigenermittlung investieren. Wie will man so eine sachgerechte Entscheidung über eine Pflichtversicherung fällen?
Derzeit ist mir weder eine Ausarbeitung des GDV noch der öffentlichen Hand dazu bekannt. Eine fundierte Erhebung hätte zur Folge, dass die Politik „Farbe“ bekennen und die zu Tage…