Erschienen in Ausgabe 10-2016Märkte & Vertrieb

EU-Kommission geht in die Offensive

Jean-Claude Juncker will bei seinem Investmentplan das Volumen verdoppeln

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Brüssel hat begriffen, dass es an der Zeit ist, zu klotzen und nicht länger nur zu kleckern, um die Europäische Union wettbewerbsfähig und fit für die Zukunft zu halten. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker skizzierte in seiner Rede zur „Lage der Union“ Mitte September im Europäischen Parlament (EP) in Straßburg seine ungeschminkte Analyse des Status quo der EU. Anstatt eine Vison anzubieten, orientierte er sich am Machbaren und den Herausforderungen der kommenden zwölf Monate.
„Unsere Europäische Union befindet sich in einer existenziellen Krise. Nie zuvor habe ich nationale Regierungen derart von populistischen Kräften geschwächt und von drohenden Wahlniederlagen gelähmt gesehen. Nie gab es so viel Spaltung und so wenig Gemeinsinn in der EU“, stellt der langjährige Politiker fest. Europa besitzt zweifellos eine Menge ungelöste Probleme und die Welt blickt sehr genau auf die Region. Die Lösung der vielen Probleme sieht Juncker nicht in weiteren Reden oder Gipfeln, sondern in einer „positiven Agenda“ mit konkreten Maßnahmen. Der Luxemburger ist überzeugt: „Die nächsten zwölf Monate werden entscheidend dafür sein, ein besseres Europa zu schaffen. Ein Europa, das die europäische Lebensweise bewahrt, das sich nach innen wie außen verteidigt, und das Verantwortung übernimmt.“

Investitionschancen für Versicherer

Für die Versicherungswirtschaft – als größter institutioneller Investor in der EU – von entscheidender Bedeutung ist die Ankündigung der EU-Kommission, den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (Efsi) über das Jahr 2018 hinaus zu verlängern und die Investitionssumme auf 500 Mrd. Euro bis 2022 verdoppeln zu wollen. Die Investitionsoffensive, die vor einem Jahr unter dem Begriff „Juncker-Plan“ auf den Weg gebracht wurde, war zunächst mit einem Volumen von 315 Mrd. Euro gestartet. „Bereits im ersten Jahr ihres Bestehens konnten Investitionen in Höhe von 116 Mrd. Euro mobilisiert werden von Lettland bis Luxemburg“, so der EU-Kommissionspräsident. Mehr als 200.000 kleine Unternehmen und Start-up-Firmen in ganz Europa hätten Darlehen erhalten und dadurch seien über 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden.
„Wir müssen ein Europa schaffen, dass den EU-Bürgern und der Wirtschaft Chancen eröffnet – und diese liegen heute im Digitalen“, brachte es Juncker in seiner Straßburger Rede auf den Punkt. Mit der Reform der europäischen Telekommunikationsmärkte soll ein neuer Rechtsrahmen geschaffen werden, der Investitionen in diese attraktiv macht…