Erschienen in Ausgabe 1-2016Schlaglicht

„Wir brauchen Manager, die offen sind für Neues“

Versicherungsprofessor Matthias Beenken über den steigenden Bedarf an neuen Führungstypen

Von Versicherungswirtschaft

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„Wir brauchen Manager, die offen sind für Neues“

Versicherungsprofessor Matthias Beenken über den steigenden Bedarf an neuen Führungstypen

Versicherungswirtschaft: Welche Manager-Typen sind in Zeiten der digitalen Beschleunigung in der Versicherungswirtschaft besonders stark gefragt?

Matthias Beenken: Wir brauchen Manager, die offen sind für Neues, mutig auch unter Unsicherheit Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür übernehmen. Gerade im mittleren Management haben wir noch viel zu viele Risikovermeider, die ängstlich über ihre Pfründe wachen und Karriereknicke vermeiden wollen.

Inwiefern findet ein Generationswechsel statt? Wie verändert sich durch neue Führungsstile das Bild der Versicherer nach innen und außen?

Derzeit verabschieden sich Mitarbeiter in den Ruhestand, die noch Pflichterfüllung und Gehorsam als Tugenden, das Primat des Mannes im Führungsamt sowie die Überstundenzahl als Ausweis des Karrierestrebens kennen. Noch sehr viele Jahre haben Beschäftigte zu arbeiten, die zwar eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf für sich beanspruchen, aber durch die mobilen Anwendungen und Medien überfordert sind und unter einer Entgrenzung von Arbeits- und Freizeit leiden. Es kommt eine junge Generation nach, für die das digitale Leben eine Selbstverständlichkeit ist, und deren Kommunikations­verhalten sich signifikant von dem der Älteren unterscheidet. Konflikte sind vorprogrammiert. Darauf kann man nur mit einer deutlich partizipativeren Führung als früher üblich reagieren und dem geschickten Aufbau von altersgemischten Teams.

Wie kann qualifizierter Nachwuchs, vor allem für die elementare mittlere Ebene generiert werden?

Speziell die Versicherungsbranche leidet unter ihrem in Teilen selbstverschuldet schlechten Image und falschen Anreizen. Wir erleben an der Hochschule engagierte junge Menschen, die sich aber nicht mehr von Boni-Schecks, flotten Dienst­wagen und Incentive-Reisen locken lassen. Sie wollen früh mitgestalten können und nicht dazu verdammt werden, durch graues Haar nachzuweisen, für den ersten Karriere­schritt reif zu sein. Viele Studierende wissen zu wenig darüber, wie interessant und abwechslungsreich die Versicherungsbranche ist. Die Unternehmen sollten mehr in ihr Personalmarketing investieren. Und manche überschätzen auch ihre praktischen Fähigkeiten und müssen von den Unternehmen sorgsam integriert werden.
Interview: Michael Stanczyk
Matthias Beenken, FH Dortmund: „Gerade im mittleren Management haben wir noch viel zu viele Risikovermeider.“ (Foto: privat)
Matthias Beenken, FH Dortmund: „Gerade im mittleren Management haben wir noch viel zu viele