Erschienen in Ausgabe 1-2016Schlaglicht

„Keine Führungslücke in Deutschland erkennbar“

IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös über Unternehmens-und Führungskultur in der digitalen Arbeitswelt

Von Dr. Hans-Peter KlösVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

„Keine Führungslücke in Deutschland erkennbar“

IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös über Unternehmens-und Führungskultur in der digitalen Arbeitswelt

Versicherungswirtschaft: Hängt die Führungskultur in Deutschland im internationalen Vergleich zurück?

Hans-Peter Klös: Das LAB Consulting Barometer befragte dazu 7.300 Berater. Ergebnis: Bei Managern handele es sich um eine Bevölkerungsgruppe, die immer stärker unter Druck stünden und daher häufiger unkorrekt handelten. Dabei verändere gerade die Digitalisierung die Anforderungen an Führungskräfte.
Ein deutlich anderes Bild zeichnen international vergleichende Datensätze zum Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Führungsverhalten: Nach einer Befragung von insgesamt 44.000 Erwerbstätigen in 34 europäischen Ländern im Jahr 2010 ist die Arbeitszufriedenheit in Deutschland hoch: Mehr als 88 Prozent der Erwerbstätigen sind mit ihrem derzeitigen Job „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Damit belegt Deutschland Platz 9, die Abstände zur Spitze in Dänemark oder Norwegen sind gering. Für die meisten Beschäftigten ist dabei auch das Verhalten der Führungskraft entscheidend. Vorgesetzte, die einen respektvollen Umgang pflegen, gute organisatorische Fähigkeiten besitzen und ihre Mitarbeiter einbinden, erhöhen europaweit die Arbeitszufriedenheit ihrer Mitarbeiter.

Wie entscheidend ist der Faktor Personalführung im internationalen Wettbewerb?

Den Unternehmen ist durchaus bewusst, dass ihre Führungskräfte die Schlüsselrolle für die Arbeitszufriedenheit der Belegschaft spielen. Wie das IW-Zukunftspanel zeigt, organisiert knapp die Hälfte der deutschen Unternehmen spezielle Trainings für Vorgesetzte. Von Unternehmen und Managern wird zunehmend erwartet, dass sie moralischen Ansprüchen gerecht werden und soziale wie ökologische Standards einhalten. Dabei sollten die formulierten Werte fest in der Unternehmens- und Führungskultur verankert werden. Das gelingt nur, wenn die Werte von den Führungskräften konsequent vorgelebt werden, wie es vor allem von jungen Mitarbeitern eingefordert wird. Das lohnt sich auch finanziell: Nach einer Studie des Great Place to Work Institute konnten die 100 attraktivsten amerikanischen Arbeit­geber zwischen 1997 und 2014 ihren Börsen­wert fast doppelt so stark steigern wie die 500 größten börsennotierten Unter­nehmen des S&P-500-Index. Unter­nehmen mit einer Vertrauenskultur in Krisenzeiten erleiden zudem deutlich weniger Reputations- und Motivationsverluste als der Durchschnitt aller…