Erschienen in Ausgabe 1-2016Märkte & Vertrieb

Zunehmend verhagelt

Versicherer sind sich uneins, inwieweit die steigenden Elementarschäden auf den Klimawandel zurückzuführen sind

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Die erzielte Vereinbarung ist ein historischer Schritt in Richtung Dekarbonisierung“, schließt sich Peter Höppe, Leiter der Georisikoforschung bei Munich Re, vielen Beobachtern an, die das Pariser Klimaabkommen als bedeutend feiern. Schließlich ist die Versicherungswirtschaft von Extremwetterereignissen direkt betroffen und mahnt seit Jahren: Je stärker die globale Erwärmung ausfällt, desto größer werden die Risiken sein. Denn: „Eine Vier-Grad-Welt ist kaum noch versicherbar“, warnt Axa-Vorstandsmitglied Christian Thimann. Für Allianz-Climate-Solutions-Geschäftsführer Karsten Löffler ist bereits eine Erwärmung über 1,5 Grad Celsius mit deutlich steigenden Klimafolgeschäden verbunden. Die Swiss Re unterstützt ebenfalls das vereinbarte Senkungsziel unter 2 Grad Celsius, fügt jedoch hinzu, dass die „Erwärmung in dieser Größenordnung die Versicherbarkeit in den meisten Regionen nicht grundsätzlich in Frage stellen wird.“ Zumal der Temperaturanstieg von Region zu Region unterschiedlich sein werde, ergänzen Ergo und Munich Re auf Anfrage. Bezüglich der Einschätzung zukünftiger Temperaturanstiege muss die Branche auf Modellrechnungen der Klimatologen vertrauen. „Dennoch wäre vieles noch versicherbar – im Zweifelsfall wäre es vor allem eine Frage des Preises“, bilanziert Generali.
Ohnehin sind sich die Versicherer nicht einig, ob die Häufigkeit von wetterbedingten Schadenereignissen überhaupt auf einen vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen ist. „Durch einzelne Naturkatastrophen kann der Eindruck entstehen, dass Häufigkeit und Intensität zunehmen. Aber ist es schwierig, die sich verändernden klimatischen Bedingungen durch diese – absolut gesehen – doch sehr seltenen Ereignisse genau nachzuweisen“, argumentiert Klaus-Peter Mangold, Leiter Aktuariat der Allianz Versicherung. Ein signifikanter Anstieg von Schäden aufgrund einer Zunahme von Extremwetterereignissen lässt sich anhand des Schadensatzes zwischen 1999 und 2012 bislang nicht erkennen, lautet das Fazit der Bundesumweltamt-Studie „Vulnerabilität Deutschlands gegenüber dem Klimawandel“.

Schadenaufwand steigt auch ohne Erderwärmung

Für Jörg Steffensen, Bereichsleiter Modelling bei Hannover Rück, ist ein logischer Zusammenhang grundsätzlich schwierig zu ermitteln: „Ein eindeutiger Nachweis im Sinne einer Zuordnung der Schadensummen auf die unter normalen Bedingungen zu erwartenden Schäden und die explizit auf den Klimawandel zurückzuführenden Entschädigungssummen ist bisher nicht möglich.“