Erschienen in Ausgabe 1-2016Märkte & Vertrieb

Grünbuch für ein grenzenloses Finanz-Europa

EU-Kommission will mehr Standardisierung bei Anlageprodukten

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Die Entwicklung der Digitalisierung eröffne neue Gelegenheiten, Finanzprodukte grenzüberschreitend zu kaufen. „Davon sollen in Zukunft nicht nur die rund 13,5 Millionen EU-Bürger profitieren, die im EU-Ausland wohnen, sondern alle 500 Millionen Verbraucher in Europa“, skizzierte der für Finanzdienstleistungen zuständige EU-Kommissar Jonathan Hill bei der Vorstellung des Grünbuchs Finanzdienstleistung („Green Paper on Retail Financial Services and Insurance“). Finanzdienstleistungen wie Bankkonten, Hypothekarkredite und Versicherungen seien ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens der Verbraucher. Viele Konsumenten hätten jedoch Probleme, diese Dienstleistungen in einem anderen EU-Mitgliedstaat in Anspruch zu nehmen. Ebenso erachteten zahlreiche Unternehmen – auch Versicherer – die grenzübergreifende Erbringung von Finanzprodukten als schwierig.
Im Rahmen einer dreimonatigen Konsultation soll herausgefunden werden, wie die Verbraucher EU-weit Zugang zu den für sie optimalen Finanzdienstleistungsangeboten erhalten können. „Wir wollen, dass die Verbraucher in Zukunft eine größere Auswahl besser geeigneter Produkte mit wettbewerbsorientierten Preisen bekommen. Wir wollen verstehen, warum eine Kfz-Versicherung in einem EU-Land wesentlich teurer ist, als in einem anderen Mitgliedsstaat und was die Hindernisse für die Portabilität eines Girokontos, von Kreditverträgen oder Versicherungsprodukten sind“, sagte Hill.

Größtmögliche Produktpalette

Aktuell wird vielen Europäern ein Zugang zur größtmöglichen Produktpalette verwehrt oder sie müssen überhöhte Preise zahlen. Daraus folgt auch, dass die Finanzdienstleister angesichts der Zusatzkosten oder der Komplexität, die mit grenzübergreifenden Tätigkeiten verbunden sind, Schwierigkeiten haben, ihre Dienstleistungen im EU-Binnenmarkt anzubieten. Lediglich drei Prozent der Verbraucher haben bereits Bankprodukte wie Kreditkarten, Girokonten oder Hypothekarkredite aus anderen EU-Staaten in Anspruch genommen. Innerhalb des Euroraums machen grenzübergreifende Kredite weniger als ein Prozent des Gesamtvolumens aus.
Ein weiterer Gegenstand der Konsultation stellen die Auswirkungen der digitalen Technologien auf den Markt dar. Digitale Dienstleistungen wie Online-Banking, Peer-to-Peer-Kredite oder Preisvergleichswebsites bieten für Anbieter und Verbraucher viele Chancen, stellen aber auch neue Herausforderungen für den Verbraucherschutz dar. Der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold…