Erschienen in Ausgabe 1-2016Trends & Innovationen

Prima Klima

Seit vier Jahren gehen Katastrophenschäden zurück

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Das Jahr 2015 war nicht unbedingt ein gutes Schadenjahr für die deutschen Versicherer. Die Landwirtschaft erlebte einen heißen und hagelreichen Sommer, es gab zahlreiche Stürme, die sowohl Norddeutschland (Elon und Felix) als auch Süddeutschland (Niklas) trafen. Der ausgesprochen heiße Sommer wirkte sich qualitätssteigernd auf die hiesigen Weine und die Laune der Winzer aus, doch die Landwirte und die Vereinigte Hagel hatten deutliche Verluste durch die vielen Hagelschläge zu ertragen. Nach der vorläufigen Katastrophenbilanz von Sigma war Niklas mit einem versicherten Schaden von einer Mrd. US-Dollar das sechstgrößte Schadenereignis auf dem gesamten Globus.
Der folgenreichste Schaden war wohl die Explosion in dem Hafen der chinesischen Stadt Tianjin. Das Forscherteam der Swiss Re taxiert ihn auf mehr als zwei Mrd. US-Dollar. Er hat bei den großen Versicherern zu einem vertieften Nachdenken über chinesische Großrisiken geführt. Bis heute werden neutrale Schadenmanager nicht auf das Hafengebiet gelassen, die Gerüchte über die Hintergründe des Unglücks schießen ins Kraut.
Von Menschen verursacht waren auch die Flugzeugunglücke von Germanwings und von Metrojet, das erste durch den erweiterten Selbstmord eines Piloten, das zweite wohl durch einen Terroranschlag, endgültig ist das noch nicht festgestellt. 150 und 224 Todesopfer forderten die beiden Abstürze. Doch in der Summe waren in diesem Jahr deutlich weniger Todesopfer in der Luftfahrt zu beklagen als im Schnitt der letzten zehn Jahre, stellt das Aviation Safety Network fest. Insgesamt forderten Katastrophen im vergangenen Jahr 26.000 Menschenleben, schätzen die Swiss-Re-Forscher in ihrer Sigma-Studie. Das waren doppelt so viele wie 2014. Doch bedenkt man, dass allein durch das Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 223.000 Menschenleben zu beklagen gewesen waren, so war 2015 immer noch ein ausgesprochen glückliches Jahr für die Menschheit. Es war das wärmste Jahr seit der Erfassung der Wetterdaten, stellt die Weltorganisation für Meteorologie fest. Doch bemerkenswerter Weise war es ein ausgesprochen schadenarmes Jahr. Die gesamtwirtschaftlichen Schäden durch Katastrophen gingen nach Swiss-Re-Schätzungen um 24 Prozent auf 85 Mrd. Dollar zurück, versichert waren davon 32 Mrd. Dollar. Bereits 2014 war sehr schadenarm gewesen, 2015 war noch besser. Die Schäden waren weniger als halb so groß wie im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.
Versicherer und Rückversicherer konnten sich in vier aufeinanderfolgenden Jahren über…