Erschienen in Ausgabe 1-2016Trends & Innovationen

Zu pessimistisch

Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2015 war weit kräftiger, als die meisten Wirtschaftswissenschaftler geahnt hatten

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Dass das Jahr 2015 so gut laufen würde, hatten die wenigsten Ökonomen auf dem Schirm gehabt. Ende 2014 rechneten die Wirtschaftsweisen mit einem Wachstum von 1,2 Prozent, IDW-Chef Michael Hüther sprach von „Wachstumsschwäche“. Beeindruckt von einem Einbruch im Ifo-Geschäftsklimaindex im Herbst 2014 sorgten sich die Wirtschaftsforscher um die Investitionsbereitschaft und das Konsumklima. In der Realität wuchs die deutsche Wirtschaft aber um kräftige 1,7 Prozent (geschätzt), getragen vom Konsum in Deutschland. Gehaltserhöhungen und der niedrige Ölpreis haben die Konjunktur befeuert. Als eine der wenigen haben das die Allianz-Ökonomen erkannt. „Der Ölpreisverfall wirkt wie ein Konjunkturprogramm“, merkten die Münchener Ende 2014 an und bekräftigten ihre Wachstumsprognose von 1,4 Prozent. Nur die wenigsten haben das geahnt. EU-Volkswirte sahen Deutschland sogar am Rande einer Rezession.
Dabei hatten Umfragen Ende 2014 gezeigt, wie gut die Stimmung und die Konsumlaune in Deutschland noch war. Der Arag Trend, eine Umfrage von TNS Infratest, berichtete vom Optimismus der Deutschen für ihre ganz persönliche wirtschaftliche Lage. Die Konsumbereitschaft erreichte ein Rekordhoch. Umfragen der R+V und der Gothaer (Forsa) hatten diesen Optimismus bestätigt. Nur die Zuversichtsstudie der Uni Hohenheim im Auftrag der Allianz berichtete von „Katerstimmung“ am Ende des Fußball-Weltmeister-Jahres 2014.
Für das Versicherungsgeschäft war die Versicherungswirtschaft optimistisch. „Ungeachtet des wachsenden Pessimimismus gibt es viele positive Anzeichen für die Versicherungskonjunktur 2015“, war auf diesen Seiten im Dezember 2014 zu lesen: „Kein Anlass Trübsal zu blasen.“
In der Realität liefen die Geschäfte durchmischt. Ausgesprochen erfreulich war die Schadenversicherung, eine verlässliche Ertragsquelle seit mehr als zehn Jahren. Die Versicherer blieben von großen Schäden weitgehend verschont und verzeichneten ein weiteres Mal erfreuliche Beitragssteigerungen. Um drei Prozent legte das Prämienvolumen der Schadenversicherer zu, schätzt Fitch (S. 32), nach Hochrechnungen des Swiss-Re-Ökonomen Kurt Karl wuchs die deutsche Schadenversicherung um 2,6 Prozent. Durchmischt lief das Geschäft in der Lebensversicherung, bei vielen Unternehmen ging das Einmalbeitragsgeschäft zurück. Trotzdem ist am Ende der Markt um 3,1 Prozent gewachsen, schätzte Swiss-Re-Ökonom Karl Ende November 2015.

Viele Events sind nicht vorhersehbar

Sollte sich das bestätigen, dann dürfte auch Karls Prognose für…