Erschienen in Ausgabe 1-2016Trends & Innovationen

Kollateralschäden durch niedrige Zinsen

Bundesbank kritisiert Gewinnabführung bei Lebensversicherern

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Trotz der problematischen Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank sieht die Deutsche Bundesbank derzeit keine akuten Gefahren im Finanzsystem. Wie widerstandsfähig das System ist, wurde während der Griechenland-Krise deutlich und beim Einbruch des chinesischen Aktienmarktes im Sommer 2015. „Das europäische Finanzsystem erwies sich als recht robust gegenüber den Unsicherheiten“, schreibt die Bundesbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2015.
Die Politik der „quantitativen Lockerung“ der Europäischen Zentralbank bezeichnen die Bundesbanker als „unkonventionell“. „Es besteht die Gefahr, dass es zu Vermögenspreisblasen kommt und Risiken systematisch unterschätzt werden“, heißt es in dem Bericht. Die größten Probleme sieht die Bundesbank derzeit bei den Lebensversicherern. „Die Risikotragfähigkeit ist unzureichend“, konstatiert sie. Die Erleichterungen durch das LVRG würden den Effekt der weiter sinkenden Zinsen nicht aufwiegen.

Pleitewelle durchaus realistisch

Derzeit leben die Lebensversicherer von Überrenditen aus Kapitalanlagen außerhalb von Bundesanleihen. Sollten diese einbrechen, wie das in Krisenjahren geschehen ist, dann würden bis 2025 21 Lebensversicherer in die Knie gehen, rechnet die Bundesbank vor. Die Eigenkapitallücke in einem solchen Fall zu stopfen, würde den deutschen Staat 5,5 Mrd. Euro kosten. Bleiben die Zinsen dauer­haft so niedrig wie im Juni 2015, würden bis 2025 sieben Lebensversicherer einknicken. Die Bundesbank kritisiert, dass immer mehr Konzerne Gewinnabführungsverträge mit den Lebensversicherern schließen. Von 86 Unter­nehmen machen das 21, manche haben diese Verträge erst 2014 abgeschlossen. Das LVRG schreibt vor, die Ausschüttungen an die Anteilseigner zu begrenzen.

Immobilienmarkt noch gesund

Die Bundesbank setzt auf die konsequente Umsetzung von Solvency II. „Die Risiken von Staaten sollten adäquat mit Kapital unterlegt werden“, heißt es in dem Bericht. 2018 sollte dies bei der Überprüfung der Standardformel von Solvency II bedacht werden. „Insgesamt sollte Solvency II besser geeignet sein, Finanzstabilitätsrisiken abzubilden.“
Im Gegensatz dazu hat sich die Widerstandsfähigkeit der Banken verbessert und auch im Schattenbankensystem sehen sie keine übermäßigen Risiken. „Wesentliche Risikoindikatoren tendierten in den vergangenen Jahren seitwärts“, heißt es. Selbst vom Immobilienbereich gehe aktuell keine Gefahr aus. Trotzdem schlägt die Bundesbank eine Reihe von Maßnahmen vor, um hier Fehlentwicklungen vorzubeugen. Dazu…