Erschienen in Ausgabe 1-2016Schlaglicht

Leadership zwischen Kalkül und Können

Erneuerungswille deutscher Versicherer treibt den Umbruch in der Führungskultur voran

Von Versicherungswirtschaft

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Andreas Wimmer, Allianz-Leben-Vorstand, Rainer Sommer, Chief Operating und Chief Information Officer der Generali Deutschland, Jürg Schiltknecht, Vorstandsvorsitzender der Basler, oder Thomas Buberl, Deutschland-Chef und Konzernvorstand der französischen Axa-Gruppe: Exemplarisch steht diese Manager-Auswahl für das unaufhaltsame Vordringen neuer Führungsprofile in die Top-Etagen der deutschen Versicherungsindustrie. Altersklasse um die 40, mit MBA- oder Doktortiteln und einschlägiger Berufserfahrung ausgestattet, rückt eine Generation selbst propagierter Smartness (Generali Deutschland CEO Giovanni Liverani) nach oben. Dass andere Zeiten immer auch andere Leute mit anderer Fach- und Führungskompetenz an die Spitze befördern, weiß Bernhard Schareck. „Es gab eine Epoche, in der Juristen die Führung prägten, weil das rechtliche Feld im Vordergrund stand. Dann kam die Phase der Markterschließung, weil das Ziel Wachstum die Landschaft prägte. Heute stehen die finanz­erfahrenen Manager im Vordergrund, aus naheliegenden Gründen bei den Unsicherheiten auf den Finanzmärkten“, bilanziert der frühere GDV-Präsident und Vorstandsvorsitzende der Karlsruher die unmittelbaren Wechselwirkungen zwischen Marktzyklen und gefragten Managerkompetenzen.
Auf Seiten der Versicher spiegelt die In­stallation von Führungskräften an strategisch ausgesuchten Punkten eine immerwährende Anstrengung nach Erneuerung wider. In Zeiten des digitalen Wettbewerbs sind Hard- wie Soft-Skills gleichermaßen gefragt, um Belegschaften mitzunehmen, Arbeitsprozesse effizienter zu machen und die Unternehmensattraktivität für junge Talente zu erhöhen. Auch gestandene Bosse müssen ihr Können in diesem Umfeld neu unter Beweis stellen. Das Change-Management hat begonnen – und es führt zu einer umbrechenden Führungskultur.

Alte Konzepte und Stile kommen ins Wanken

Leadership bedeutet, in bestimmter Zeit mit bestimmten Ressourcen an Kapital und Menschen festgelegte Ziele zu erreichen − so eine der nicht wenigen Definitionen. „Wer führen will, muss den Erfolgswillen anspornen, indem er eine Vision in die Herzen seiner Mitarbeiter hineinträgt, eine Richtung angibt und Ziele vermittelt“, erklärt der Grandseigneur der strategischen Personalberatung Hermann Sendele. Charaktereigenschaften wie Integrität, Charisma, Charakterstärke und Urteilsvermögen bilden das Geleit.
Indes läutete das Harzburger Modell in den 50er Jahren den Wendepunkt weg vom autoritär-patriarchalischen zu einem Stil der offenen Führungskultur in…