Erschienen in Ausgabe 1-2016Märkte & Vertrieb

Frauenpower und Steuergeschenke

Gesamtverband der italienischen Versicherer Ania erhofft sich mit der ersten Managerin an der Spitze mehr Durchschlagskraft

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Die Vereinigung der italienischen Versicherungswirtschaft „Ania“ hat einen Führungswechsel vollzogen: Einmütig wählte die Generalversammlung des Spitzenverbandes Maria Bianca Farina zur neuen Präsidentin. Als bisherige Stellvertreterin ersetzt sie den langjährigen Amtsinhaber Aldo Minucci. Die Römerin gehört bereits seit vier Jahren dem Präsidium an und gilt in der italienischen Politik als gut vernetzt. Im Verband erwartet man sich mit der ersten Frau an der Assekuranz-Spitze eine größere Durchschlagskraft in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung. So hatte es im Sommer innerhalb der Vereinigung Unruhe gegeben, da sich die Versicherungswirtschaft bei einigen Gesetzesnovellen im römischen Parlament – etwa bei der wichtigen Kfz-Versicherung – zu wenig Gehör verschaffen konnte. Einige Konzerne drohten gar mit Austritt. Mit der politisch profilierten und medienerfahrenen Farina soll nun ein Neuanfang gelingen. Die studierte Ökonomin ist bislang Vorstandsvorsitzende des Finanzdienstleistungsbereichs der italienischen Post, die vor kurzem ihr Börsendebut gab.
Auch die italienische Wirtschaft erlebt eine Wiedergeburt – zumindest aus deutscher Sicht. „Italien mausert sich zu Europas neuem Erfolgsmodell“, titelte kürzlich die Welt überschwenglich. Deutsche Aktienfondsmanager werden zitiert, die „mit leuchtenden Augen“ über prächtige Investitionsaussichten in Italien schwärmen.

Steuererleichterungen auf Pump

Bei genauer Betrachtung ist jedoch mehr Nüchternheit geboten. Zwar mehren sich tatsächlich die Anzeichen, dass die finsterste Phase der Rezession überwunden ist; auch wenn manche Experten behaupten, dies sei mehr EZB-Chef Draghi als dem Premierminister zu verdanken. Eine „Euphoriewelle“ ist allerdings unangebracht.
Im römischen Parlament wird gerade das sogenannte „Stabilitätsgesetz“ beraten, das die Eckpunkte für den Haushalt 2016 festsetzt, und mit einem umfangreichen Paket von Wirtschafts- und Finanzmaßnahmen zur Ankurbelung von Konjunktur, Binnenkonsum und Investitionen verbunden ist. Da paaren sich richtige Schritte – wie zum Beispiel Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut, zur steuerlichen Entlastung von Rentnern mit niedrigem Einkommen, Anreize für Mittel- und Kleinunternehmen zur Beschäftigungsförderung sowie Investitionen zur Verbesserung der Inneren Sicherheit und der Terrorabwehr – mit durchaus fragwürdigen, wie die Abschaffung der Immobiliensteuer für Erstwohnungen und die erhöhten Grenze für Barzahlung von 1.000 auf 3.000 Euro. Beides wird…