Erschienen in Ausgabe 1-2016Köpfe & Positionen

Digitale Dynamik.

Zu Titelreport: „Wachstum vs. Stabilität“, -25

Von Nikos KotalakidisVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Große Datenmengen, unterschiedliche Datenquellen und zielgerichtete Analysen zur Schaffung wichtiger Erkenntnisse: das Stichwort, das in diesem Zusammenhang immer fällt, ist Digitalisierung. Dabei erfasst dieser Begriff strategisch zweierlei: Zum einen liegen der Digitalisierung die Big Data zugrunde, also Datenmengen, die zu groß, zu komplex oder unstrukturiert sind, um sie mit händischen und klassischen Methoden der Datenverarbeitung auszuwerten. Zum anderen wird mit Digitalisierung auch der Komplex der Technologien beschrieben, die zum Sammeln und Auswerten dieser Datenmengen verwendet werden. In diesem Sinne birgt der Mega­trend großes Potenzial für die Transformation der gesamten Wertschöpfungskette in der Versicherungsindustrie: von der Produktentwicklung, über das Marketing und den Vertrieb sowie das Portfolio-Management und den Service, bis hin zur Schadensverarbeitung. Versicherer verfolgen seit jeher ein datengetriebenes Geschäftsmodell und haben heute Zugriff auf mehr digitalisierte und somit verknüpfbare Daten als je zuvor. Möchte man als Versicherer innovative Produkte entwickeln, Risiken schneller und besser bewerten, den Kundennutzen maximieren oder Versicherungsbetrug effektiv und effizient vorbeugen, kommt man an der Nutzung der Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette nicht vorbei.
Viele große, traditionelle Player im deutschen Versicherungsmarkt haben sich lange auf der Langfristigkeit ihrer Versicherungspolicen ausgeruht und damit mögliche Innovationen des Versicherungsgeschäfts durch die Digitalisierung eher kleineren und agileren Playern überlassen. Die mit dieser Haltung einhergehende Behäbigkeit und Zurückhaltung, in den strategischen Aufbau von neuen Skills, Tools und Infrastrukturen zu investieren, war befristet. Mittlerweile bestehen Anzeichen, dass die Digitalisierung in der deutschen Versicherungsindustrie an Dynamik und Momentum stark zunimmt. Große und kleine Unternehmen, Anbieter mit B2B- und B2C-Geschäftsmodellen, Erst- und Rückversicherer: Alle zeigen innovative Ansätze, die meistens strategisch und oft sehr mutig sind. Komplet­tiert wird das Bild folge­richtig durch Einreichungen neuer Unternehmen aus dem Segment Fintech.
Die „Frontrunner“ des Transformationsprozesses der gesamten Industrie zeichnen folgende drei Grundhaltungen aus: Erstens, sie betrachten die Digitalisierung ihres Geschäfts nicht als ein Zukunftsthema, sondern machen sie zum zentralen Kernthema ihrer Strategie 2016. Zweitens, sie lokalisieren die Digitalisierung nicht in Einzelbereiche, wie z.B. die IT-Abteilung, den Online Vertrieb oder die Social Media. Stattdessen befassen sie sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung strategisch entlang der gesamten Wertschöpfungkette und machen sie dadurch zur absoluten Chefsache. Drittens, sie erkennen, dass die Digitalisierung neben einem großen Verantwortungsbewusstsein vor allem für den Datenschutz und die Datensicherheit auch eine fundamentale Veränderung der Innovationskultur sowie der Kooperationsbereitschaft bedingt.