Erschienen in Ausgabe 1-2016Märkte & Vertrieb

Traditionspolice wird zur Erfolgsstory

Sterbegeldversicherung ist der Spitzenreiter bei Wachstum und Ertrag im spanischen Markt

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Sie wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Die Sterbegeldversicherung, in Spanien „Seguro de Decesos“ genannt, ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Finanzplanung der spanischen Bevölkerung. Sie hat ihren Ursprung vor der rasanten wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung Spaniens, als den hierzulande hohen Bestattungskosten kaum Ersparnisse gegenüberstanden. Heute sparen die Spanier mit Hilfe einer Vielzahl differenzierter Finanzprodukte und man müsste annehmen, dass die Sterbegeldversicherung eigentlich ihre Daseinsberechtigung verloren hat. Doch das Gegenteil ist der Fall. Im Jahr 2014 war sie nach den Statistiken der spanischen Versicherungsaufsichtsbehörde Dirección General de Seguros y Fondos de Pensiones (DGSFP) mit einem Wachstum von sechs Prozent das wachstumsstärkste Segment in der Nichtlebensversicherung und damit auch des Gesamtmarktes. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Geschäftsdynamik sogar noch verstärkt. Innerhalb der Nichtlebensversicherung hat die Seguro de Decesos mittlerweile einen Anteil am Prämienvolumen von 6,8 Prozent oder 2,1 Mrd. Euro. Mit deutlichem Abstand erst folgt die Nummer zwei in Sachen Wachstumskraft innerhalb der Nichtlebensversicherung, die Krankenversicherung. Sie legte 2014 um 4,4 Prozent zu. Ein großer Teil stammt hier allerdings aus Beitragserhöhungen. Zum Vergleich: Das Prämienvolumen im Gesamtmarkt ist 2014 erneut um 0,8 Prozent auf 55,3 Mrd. Euro gesunken.

Seguro de Decesos ist zur Familiensache geworden

Die Wachstumskraft der Seguro de Decesos ist umso bemerkenswerter, als dass es sich durchweg um Kleinst-Lebensversicherungen für Bestattungskosten handelt. Beim Marktführer Mapfre kostet beispielsweise eine Police für drei Familienmitglieder gerade einmal 18 Euro pro Monat. Im Familienbegriff liegt denn auch der wesentliche Grund für den andauernden Erfolg der Police. Die Assekuranz hat es verstanden, die Seguro de Decesos zur Familiensache zu machen. In „schwierigen Momenten“ soll die Police „Sicherheit und Ruhe“ geben. Der Familienverbund ist der Grundpfeiler der spanischen Gesellschaft und der Einzelne verspürt vor allem dort Sicherheit. Die aktuelle Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosenquote von derzeit 22 Prozent haben das allgemeine Unsicherheitsempfinden der Bevölkerung deutlich verstärkt. Die Reaktion war eine Reaktivierung der Familienstrukturen und die Seguro de Decesos profitiert davon. Oft sind bis zu drei Generationen in einer Police abgesichert. Großeltern oder die Eltern schließen die…