Erschienen in Ausgabe 3/4-2019Politik & Regulierung

Tabakentwöhnung in Deutschland – die unrühmliche Rolle der Politik

Von Prof. Dr. med. Harry HahmannVersicherungsmedizin

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EINLEITUNG

Nach der DEBRA-Studie rauchen derzeit 28 % der Deutschen [13], obwohl Rauchen bekanntermaßen zu den wichtigsten vermeidbaren kardiovaskulären Risikofaktoren gehört. Mehr als die Hälfte der Raucher dürften nikotinabhängig sein. Nikotin unterhält zwar den schädlichen Tabakgebrauch bzw. die Sucht, die Gesundheitsgefahren des Tabakrauchens sind aber vielmehr bei der Verbrennung entstehenden atherogenen, karzinogenen und teratogenen Schadstoffen zuzuordnen, z. B. Kohlenmonoxid, Stickstoffoxide, Wasserstoffcyanide, Kadmium, Zink, Kohlenstoffdisulfide, flüchtige Aldehyde, Stickstoffoxide, Benzole, N-Nitrosamine, Vinylchlorid, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, Polonium210, Cadmium, Blei, Nickel, Chrom und Aluminium [2]. Regelmäßiges Tabakrauchen verursacht erhebliche kardiovaskuläre Folgeschäden sowie Malignome und Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Jährlichen sterben in Deutschland tabakbedingt ca. 125 000 Menschen [16]. Diese Zahl übersteigt die Todesfälle durch AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammen genommen. [2] Im Jahr 2004 veröffentlichte der britische Mediziner Richard Doll seine über 50 Jahre laufenden prospektiven Studie an ca. 35 000 britischen Ärzten, die zeigte, dass in dieser homogenen und medizinisch gut versorgten Gruppe Raucher im Vergleich zu Nichtraucher im Mittel zehn Jahre kürzer lebten und in der verbleibenden Lebenszeit weniger gesunde Jahre zu erwarten hatten. [4] Die Wahrscheinlichkeit, schon vor dem 60. Lebensjahr zu versterben, ist bei Rauchern mit erhöhtem Alkoholkonsum auf mehr als 30 % erhöht [2]. Auch „passivrauchende“ Nichtraucher sind einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Die Eindämmung des Tabakrauchens sowohl in der individuellen ärztlichen Behandlung als auch gesundheitspolitisch bevölkerungsweit ist somit eine der wichtigsten Präventionsziele schlechthin.

Abb. 1: Überlebenskurven (%) ab 35 Jahre bei Britischen Ärzten, geboren 1900–1930. Der lebenslange Nicht-Raucher gewinnt im Mittel zehn Lebensjahre. Jede Zigarette verkürzt das Leben um 28,8 min. [4]
Abb. 1: Überlebenskurven (%) ab 35 Jahre bei Britischen Ärzten, geboren 1900–1930. Der lebenslange Nicht-Raucher gewinnt im Mittel zehn Lebensjahre. Jede Zigarette verkürzt das Leben um 28,8 min. [4]

Tabakentwöhnung in Deutschland – die unrühmliche Rolle der Politik Summary

Zusammenfassung

Regelmäßiges Tabakrauchen ist ein selbstschädigendes Verhalten, dessen schwere gesundheitliche Folgen für den einzelnen Raucher bestens bekannt sind. Dennoch raucht ein Viertel der deutschen Erwachsenen – meist jahrzehntelang. Ursache dafür ist u. a. die häufige, rasche Entwicklung einer Nikotinabhängigkeit. Rauchen…

Gesundheitspolitik · Tabakentwöhnung · Präventionsgesetzgebung