Erschienen in Ausgabe 3/4-2019Schlaglicht

Probleme alternativmedizinischer Krebsbehandlung

Von Dr. med. Gerd-Marko OstendorfVersicherungsmedizin

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Alternativ- bzw. komplementärmedizinische Krebsbehandlung führt v. a. in der privaten Krankenversicherung (PKV) immer wieder zu Problemen. Daher war das ein Thema auf der Wissenschaftlichen Tagung der Gesellschaftsärzte der PKV am 14. 5. 2019 in Köln.

 

Dort plädierte Prof. Dr. Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie am Universitätsklinikum Jena, für eine evidenzbasierte Medizin. Die von ihr vertretene Komplementäre Onkologie umfasst die wissenschaftlich fundierten ergänzenden Verfahren von Ernährung über körperliche Aktivität zur Naturheilkunde. „Eine seriöse komplementäre Medizin ist nur auf der Basis einer wissenschaftlichen evidenzbasierten Medizin möglich“, erklärte Hübner.

 

Zu einzelnen fragwürdigen Behandlungskonzepten machte sie kritische Anmerkungen:

  • Vor einer unkritischen „Immunmodulation“ ist abzuraten, da eine nicht wissenschaftlich abgeklärte Immuntherapie das Immunsystem auch „lahmlegen“ kann, wie das bekannte Beispiel der Hyposensibilisierung (inzw. spezifische Immuntherapie – SIT genannt) zeigt.
  • Problematisch ist auch die beliebte Verabreichung von Antioxidantien, weil diese ggf. die Wirkung einer Chemo- bzw. Strahlentherapie aufheben können. Das gilt auch für die Infusionstherapie mit 7,5 g Vitamin C.
  • Zur Ozon-Sauerstoff-Therapie sowie zur Eigenblut-Therapie gibt es keinerlei Evidenz; zudem sind gravierende Nebenwirkungen möglich.

 

Abschließend verwies Hübner auf die von ihr gegründete „Stiftung Perspektiven“. Dort finden sich im „Wissensportal“ Informationen zur Komplementären Medizin für Ärzte und Patienten (https://www.stiftung-perspektiven.de/Wissensportal/).

 

Alternativ- bzw. komplementärmedizinische Behandlungskonzepte bzw. Medikamente in der Onkologie sind aber durchaus auch für die Lebens- und die Haftpflichtversicherung von Interesse, wie die beiden folgenden aktuellen Referate zeigen:

 

Schlechteres Gesamtüberleben bei komplementärer Krebsbehandlung

 

Über eine aktuelle große retrospektive US-amerikanische Observationsstudie zur komplementärmedizinischen Krebsbehandlung (Johnson SB et al., JAMA Oncol 2018) berichtete Prof. Dr. Wolfgang Fischbach, Gastroenterologie und Innere Medizin in Aschaffenburg, auf dem 27. Gastroenterologie-Update-Seminar am 5. und 6. 4. 2019 in Wiesbaden.

 

Analysiert wurden die Daten von Patienten in der National Cancer Database, welche in den Jahren 2004 bis 2013 an einem nicht-metastasierten (d. h. potentiell heilbaren) Brust-, Prostata-, Lungen- oder kolorektalen Karzinom erkrankt…