Erschienen in Ausgabe 3/4-2019Köpfe & Positionen

Ist ketogene Diät bei Epilepsie medizinisch notwendig?

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

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Ein Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche beantragt für eine 4-Jährige eine ketogene Diät. Das Mädchen leidet an einer generalisierten Epilepsie und hatte den 1. generalisierten Anfall ein Jahr zuvor. Zahlreiche medikamentöse Behandlungsversuche sind fehlgeschlagen, so dass von einer therapierefraktären Epilepsie gesprochen wird.

FRAGE AN DEN GESELLSCHAFTSARZT

Ist eine ketogene Diät und die dazugehörigen Ketonteststreifen sowie Blutzuckerteststreifen im vorliegenden Fall medizinisch notwendig?

 

Die weitere Begutachtung ergab, dass bei dem Mädchen eine SMC1A-Mutation vorliegt.

 

SMC1A (Structural maintenance of chromosomes protein 1 A) kodiert für ein Protein aus der Gruppe der Kohaesine. Diese haben die Funktion, die Schwesterchromatiden bei der Zellteilung nach der DNA-Verdoppelung zusammenzuhalten bis diese während der Mitose getrennt werden. Somatische SMC1A-Mutationen wurden bei einem kleinen Teil der Fälle von Akuter Myeloischer Leukämie (AML) sowie bei Myelodysplastischem Syndrom, Chronischer Myelomonozytärer Leukämie (CMML) und bei Myeloproliferationen gefunden. SMC1A-Mutationen finden sich auch bei therapieresistenter Epilepsie und bei kardialer Malformation.

KETOGENE DIÄT

Aus jahrhundertelanger Erfahrung ist bekannt, dass Fasten bei Menschen mit Epilepsie zu einer vorübergehenden Anfallsfreiheit führen kann. Seit 1921 wurde versucht, mit einer Diät, die einen sehr hohen Fett-, sowie moderaten Eiweiß- und geringen Kohlenhydratanteil enthält, eine Stoffwechsellage zu erzeugen, die auf überwiegender Fettverbrennung fußt und die Bildung von Ketonkörpern fördert. Diese ketogene Diät hat sich bei Patienten mit Epilepsie teilweise als sehr effektiv erwiesen, wobei der genaue Wirkungsmechanismus bis heute nicht geklärt ist.

 

Klinische Studien konnten aber zeigen, dass ein Drittel der ketogen behandelten Patienten anfallsfrei wurden und sich die Beschwerden bei einem weiteren Drittel deutlich besserte, d. h. dass die Anzahl der Krampfanfälle um mindestens die Hälfte zurückging.

 

Ketogene Diät ist für Kinder geeignet, aber auch bei Jugendlichen und Erwachsenen wirksam. Bei besonders schwer verlaufenden Epilepsien ist die ketogene Diät eine wirksame Behandlungsalternative.

 

Als Nebenwirkungen können vor allem zu Beginn Vomitus und Diarrhoe oder aber auch Obstipation auftreten. Auch ist das Risiko für Nierensteine und das Auftreten einer schweren Hyperlipidämie erhöht. Ein gewisser Teil der Patienten bricht die Diät ab. Die Gründe dafür sind…